43.1

Jetzt aber:
Wie wirken die bei Menschen?

Hier hatte ich zuerst große Schwierigkeiten, mich an die ganz andere Herangehensweise zu gewöhnen. Bis mir das in Fleisch und Blut übergegangen ist, hat es bestimmt einige Jahre gedauert.
In der Schulmedizin schaut man die Symptome an, die ein erkranktes Organ wahrscheinlich verursacht hat und behandelt auch nur das. Was  sonst noch an erkrankten Orangen und Systemen „dranhängt“, wie die psychische Verfassung im Moment mit welchem Hintergrund ist, was da für ein Mensch gegenüber sitzt? Interessiert eigentlich nicht. (Wenn man fair bleiben will: ist in der Gebührenordnung auch nicht vorgesehen.)
Bachblüten werden ganz anders ausgesucht: welches seelische Problem hat zu den Symptomen geführt? Ein und das gleiche Symptom kann ganz andere Ursachen haben und muss daher auch anders behandelt werden.
Komische Idee? Ich kann mir das so erklären, dass jeder seine spezifischen „Schwachstellen“ hat. Wenn der Mensch dauerhaft unter Sorgen, Druck, Angst, einem Trauma o.ä. leidet, dann zeigt sich das zuerst an dieser Schwachstelle. (Was man z.B. direkt nachweisen kann: jemand in guter psychischer Verfassung verfügt über ein besser reagierendes Immunsystem, was weitere Auswirkungen hat- die Psyche beeinflusst also durchaus den Körper).

Dazu kommt eine weitere Besonderheit: Die Bachblütentherapie (eine Ausnahme erwähne ich gleich), ist die einzige mir bekannte Therapie, für deren Erfolg der Kranke umfassend informiert bleiben und zur Mitarbeit bereit sein muss.
Antibiotika, Psychopharmaka kann ich einfach jemandem „unterjubeln“ und sie wirken trotzdem. Bei Bachblüten funktioniert das nicht. (Was soll ich sagen? Gerade das ist mir extrem sympathisch! Was nützt es mir praktisch, wenn ein anderer an der Verschlechterung meiner Gesundheit „Schuld“ hat? Schließlich muss ich alle Folgen von Therapien, die an mir vorgenommen werden, ausbaden- nicht der Arzt. Inwieweit diese auch mal schaden, kann in allen möglichen Ausprägungen ausfallen, die nicht gleich lebensgefährlich sein müssen- aber z.T. zu erheblichen Beeinträchtigungen führen. s. auch Früherkennung rettet Leben, Brustkrebs-Früherkennung, Mathe igitt! Komischerweise machen sich das viele nicht klar.)

In der Vergangenheit gab es die kluge Idee, einfach alle Bachblüten zusammen zu kippen, weil irgendwas davon ja helfen müsse.. Nein. Das klappt leider nicht.

Der Patient muss sich also mit seinem Therapeuten (manche können das auch allein) auf Ursachensuche begeben. Und egal, wie die auch immer aussehen mögen: eine Wertung ist hierfür unnötig. Das hilft oft dabei, auch sich selbst gegenüber ehrlich zu sein. Wenn man fündig geworden ist, braucht es dann die Bereitschaft zu einer Änderung.

Ist doch selbstverständlich?
Könnte man meinen- ist aber nicht so.
Wenn die Krankheit vom Unterbewusstsein als das kleinere Übel empfunden wird, kommt man mit Bachblüten oft nicht weiter.
In der Ambulanz habe ich häufiger erlebt, dass Menschen, die ein großes Ereignis vor sich hatten (was sie überfordert hat, zu dem sie sich genötigt fühlten: typisch z.B. die goldene Hochzeit, Prüfungen im falschen Beruf, wichtige sportliche Ereignisse usw.), einen Unfall hatten, der sie davon „befreite“. Nach dem ersten Schock und Ärger waren sie froh, dem Ganzen entkommen zu sein. So spektakulär läuft das natürlich nicht immer ab. Aber auch im täglichen Leben gibt es Situationen, denen sich die Patienten (mit all ihren Glaubenssätzen) nur durch Krankheit entziehen können. In solchen Fällen steht etwas anderes an- eventuell mit Unterstützung durch Bachblüten.

Ist man den Ursachen auf der Spur, können Bachblüten die Erkenntnis und den Willen nach Veränderung wunderbar unterstützen- dazu kommen auch die regelmäßigen Gespräche.

Ob das einfach nur ein Placebo-Effekt ist? Man entdeckte, dass Placebos sogar dann wirken, wenn der Patient darum weiss.
Ob es das gründliche Interesse des Therapeuten ist?
Wenn es hilft, ohne zu schaden?
Wen interessiert das?
Wenn die Schulmediziner aber mit diesen Erklärungen besser zurecht kommen, mögen sie darauf zurückgreifen.  😉

Ich meine, dass die nicht wertenden Gespräche für sich schon viel helfen können, aber das allein erklärt die Wirkung nicht immer.
(Bei Pflanzen und Tieren z.B. nicht.)

Je nötiger jemand Bachblüten braucht, desto gründlicher und rascher wirken sie. Seine alltäglichen Probleme auf sie zu verlagern: Ich nehm’ heute mal diese und jene Blüte, die machen das dann schon für mich..? Geht auch nicht. Die „Eigenleistung“ gehört in den Fällen „leider“ dazu.

Jetzt komme ich zu der Ausnahme:
Gibt man jemandem, der z.B. nach einem Unfall einen schweren (seelischen) Schock hat, die sogenannten 1.Hilfe Tropfen, ist der Patient nach wenigen Minuten in der Lage, mitzuarbeiten (sich versorgen- z.B. eine große Wunde nur mit örtlicher Betäubung nähen zu lassen) und es ist keine Sedierung mehr dafür nötig.
Von meinen Seminarteilnehmern erhielt ich das Feedback, dass sie Angehörigen, Bekannten die 1.Hilfe Tropfen nach einem Schlaganfall oder Infarkt auf die Zunge oder Lippen gegeben haben (natürlich NACH Benachrichtigung des Notarztes…  😉   ). Danach waren sie zwar nicht wie durch ein Wunder geheilt (Welcher normale Mensch erwartet das?), aber die Heilung erfolgte nach Aussagen der behandelnden Ärzte ungewöhnlich rasch.
Gab es Patienten, für die aus schulmedizinischer Sicht alles getan war und wo sich trotz guter körperlicher Voraussetzungen keine Besserung zeigte (die z.B. nicht aus dem Koma erwachten), wurden die Angehörigen manchmal direkt aufgefordert, gern auch auf alternative Methoden zurück zu greifen- egal wie verrückt sie auch sein mögen. Gemeinsam mit einer weiteren Therapiemethode halfen die 1.Hilfe Tropfen tatsächlich.

Was nun genau wie und warum wirkt? Warum ist die Beantwortung dieser Frage so viel wichtiger, als das Potenzial einfach zu nutzen? Gerade in Notfällen habe ich keine Nebenwirkungen erleben können. Und schulmedizinische Maßnahmen werden durch die Einnahme ja nicht für unnötig erklärt.

Die ganzen „Gegenbeweise“ kann ich nicht gelten lassen. Bei genauerem Hinsehen haben sie selten mit dieser Therapieform selbst zu tun- sondern können auf alle Therapien angewandt werden.

Wie schon erwähnt: falsch gelagerte Bachblüten sind eine Weile wirkungslos. Falsch gewählte Bachblüten helfen nicht- und es hilft auch nicht immer alles für jedes.
Wenn ein guter Zahnarzt keinen durchgebrochenen „Blinddarm“ operieren und richtig nachversorgen kann, zweifelt niemand seine Fähigkeiten als Zahnarzt an. Wenn einem Notarzt (Gynäkologen) vom Rettungsassistenten das Intubationsbesteck entrissen werden muss, weil er die Intubation eines Patienten mit Atem- und Herzstillstand einfach nicht hinbekommt- lassen sich trotzdem noch Schwangere von ihm entbinden. Diese Liste könnte ich endlos weiter führen.

Genauso, wie es desinteressierte und unfähige Ärzte (Anwälte, Bäcker, Installateure, Webdesigner usw. usw.) gibt, gibt es schlechte Bachblütentherapeuten, die dem gleichen Irrtum wie die Gegner unterliegen- denn auch das ist eine ernsthafte Therapie, die nicht oberflächlich betrieben werden kann- wie andere auch.

So gut, wie eine Therapie für sich auch sein mag, sie eignet sich nie für jeden. Schon Pflanzen reagierten ja unterschiedlich. Wenn man das merkt- oder auch sieht, dass zusätzlich eine schulmedizinische Behandlung ansteht, sollte das im Interesse des Patienten möglich sein.
Ich habe tatsächlich eine Reihe von Patienten, die Angst haben, ihrem Hausarzt von der Therapie zu berichten, weil es dann erst mal eine Gardinenpredigt gibt, er übel nimmt und die Patienten dafür Abbitte leisten lässt (die natürlich trotzdem die Behandlung fortsetzen- dann aber heimlich). Für mein Verständnis wäre es sinnvoller, auch darüber informieren zu können und informiert zu werden. Es gibt zum Glück Ärzte, die kein Problem damit haben, dass ihre Behandlung ergänzt wird, wenn es den Patienten dadurch besser geht. Öffentlich zugeben würden sie das allerdings nicht unbedingt.

Klar, die 2-5 Minuten, die dem Arzt für das (Kassen-)Patientengespräch
zugestanden werden, reichen nicht für eine gründliche Bachblüten-Diagnose und -Therapie; aber ist das ein Grund, um solche Therapien in Bausch und Bogen zu verdammen und zu verunglimpfen?

Genauso bedenklich finde ich es, verbissen in jedem Fall ausschließlich an der Bachblütentherapie festzuhalten. Wenn die Schenkelhalsfraktur mit Bachblüten nicht heilt, liegt das eben am fehlenden Willen des Patienten?!
Nee!
So auch nicht! Das muss ja für ein falsches Bild sorgen!

Wie man sieht, gibt es diverse Gründe, um eine Therapie mit Bachblüten kritisch zu sehen. Das liegt allerdings weniger an den Bachblüten selbst, als an ganz anderen Dingen.

Für mich ist ein echter Naturwissenschaftler jemand, der unvoreingenommen, neugierig und offen Neues anschauen kann- auch wenn das Ergebnis nicht ganz dem momentanen mainstream entspricht.
Also am besten selbst unter korrekten Voraussetzungen und Bedingungen testen (man kann ja mit Pflanzen anfangen.. 😉  ) und erst DANN urteilen.
Ich bin sicher, wenn es in dieser Reihenfolge läuft, gibt es weniger abfällige Bemerkungen und einen gelasseneren Umgang. („Ich kuck mal eben weg, gib dem Patienten Deine ‚Wundertropfen‘, sonst lässt er sich ohne Sedierung nicht versorgen“ – O-Ton eines Notfallmediziners- müsste dann nicht sein.) Die Patienten hätten allemal was davon.