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51Denken-fühlenWie auch die schon beschriebenen Glaubenssätze, war die Abwertung der Gefühle ebenfalls lange üblich- in einer streng hierarchischen Gesellschaftsstruktur, die nur dann funktioniert/e, wenn es auf der anderen Seite eine Vielzahl von schwachen, unterwürfigen Bürgern gab/gibt. Mit dieser Wertung übernimmt man sehr viele Ansichten von außen (zu den Auswirkungen später mehr); die gängige Sprache fördert Hierarchien (s.o.).
In Kontakt mit Gefühlen und Bedürfnissen zu bleiben, blockiert dagegen das Entstehen von guten Befehlsempfängern. Gefühle entziehen sich einer allgemeinen Regelung. Man konnte fast schon den Eindruck bekommen, dass die Werbung sich ihrer genauso bemächtigen würde- die Wirkung der Manipulationen scheint aber allmählich zu verpuffen und sie müssen immer raffinierter werden. Zum Glück sind solche Informationen kein geheimes Wissen mehr- oder nicht für lange.

In unserer Kultur war (teilweise ist) es gang und gäbe, natürliche Wünsche und Bedürfnisse als etwas „Wildes“ zu sehen, das „erzogen“, gebändigt und in akzeptierte Verhaltensweisen umgebogen werden muss. Der zivilisierte und fortschrittliche Mensch ist ohne das mangelhaft, primitiv. Schon dem kleinen Kind wird (mit bester Absicht) beigebracht, dass mit ihm etwas nicht stimmt, wenn es Gefühle und Bedürfnisse hat, die von der Umgebung als unpassend oder lästig abgelehnt werden.
So lernen wir früh, unser Inneres als etwas Negatives zu werten, das andere schockiert, verletzt, verärgert. Deswegen „müssen“ wir bestraft werden – wenn wir uns den Regeln nicht beugen. Und wir sollten uns schleunigst darum bemühen, unsere angeborene „Schlechtigkeit“ nieder zu ringen.

Ich bin immer wieder erstaunt, wie freiwillig man sich solchen Vorschriften fügt (das ging/geht mir ja auch nicht anders). Wenn man sich z.B. -um neutrale Beobachtung bemüht-  die „Erziehung“ der Kinder in der Schule anschaut, merkt man, dass es zwar eine Menge „Kosmetik“ gab, eine wirkliche Veränderung weg vom „Untertan“ aber gar nicht stattgefunden hat. Die meisten Eltern registrieren das nicht mal- sie haben zwar irgendwie ein ungutes Gefühl – kritisieren dann eher die „Kosmetik“- nicht die wirklichen Knackpunkte.  Auch viele Schüler merken, dass „etwas“ nicht stimmt- resignieren entweder irgendwann und akzeptieren die Vorgaben klaglos- oder verweigern sich und gelten damit -oft zu Unrecht- als „untalentiert“. (Ich werde das später näher erläutern, wen das schon jetzt interessiert, der schaue sich z.B. die drastische Veränderung von „Schule“ an, die vor einigen Jahren in Schweden initiiert wurde- Ein sehr spannendes Thema, was sich auch auf berufliche Arbeitsbereiche ausdehnen lässt.)

Ist es denn verkehrt, Kinder z.B. zu „sozialen Wesen“ zu „erziehen“- von sich aus ist doch jeder egoistisch und grausam?

Das haben wir uns jedenfalls in den letzten Jahrhunderten – gerade von Kirchenvertretern- eintrichtern lassen.
In verschiedenen Versuchen stellte man fest, dass kleine Kinder –von sich aus- durchaus einfühlsam sind, gerecht, ehrlich, lieber miteinander als gegeneinander etwas tun. (Danach erliegen sie leider unseren gut gemeinten Erziehungsversuchen).

O.k… so wirklich habe ich das auch erstmal nicht glauben können. 😉 bis… ich dann mit meinem 4 jährigen Sohn eine Kinder-Turngruppe zu Testzwecken besuchte: Die Kinder waren alle im Vorschulalter und die Erzieherinnen hatten sich etwas Spannendes für die Turnstunde ausgedacht. Es waren 2 Parcours mit allen möglichen Hindernissen aufgebaut worden. Die Kinder wurden in zwei Gruppen aufgeteilt und sollten gegeneinander antreten. Für die Gewinnergruppe wurde irgendeine Belohnung in Aussicht gestellt. Zu Beginn gab es noch Schwierigkeiten, den Kindern die Aufgaben begreiflich zu machen, aber dann hatten die meisten verstanden, worum es ging. Dachte man jedenfalls. Als der „Startschuss“ fiel, gab es geschicktere und ungeschicktere Kinder- und anstatt die Verzögerungen zu ihrem Vorteil zu nutzen, liefen die Kinder kreuz und quer von einer Gruppe zur andern, um Nachzüglern die Aufgaben zu erläutern, einem gestürzten Kind wieder aufzuhelfen, es zu trösten oder gar unterstützend einzugreifen.
Die Erzieherinnen waren einem Nervenzusammenbruch nahe und brüllten durch die Turnhalle, dass sie GEGENeinander kämpfen sollten, das wäre so alles ganz falsch. Die Kinder waren mittlerweile derartig in die Anforderungen des Parcours (an alle Kinder) vertieft, dass sie für sämtliches anderes auf Durchzug schalteten. Einerseits wirkte die Verbissenheit und Verzweiflung der Erzieherinnen bizzar und witzig- andererseits blieb mir das Lachen im Halse stecken, weil mir an dieser Stelle ganze Kronleuchter aufgingen.

Wie können wir uns aber nun wieder Zugang zu unseren Gefühlen verschaffen? Normalerweise beschränkt sich deren Wahrnehmung auf Gereiztheit im Straßenverkehr, Umgang mit nervenden Kollegen, renitenten Familienangehörigen, desinteressierten Verkäufern oder – frischer Verliebtheit, Freude über einen Lottogewinn- wobei letztere ja eher selten bleiben.
Und dabei gibt es doch noch viel mehr. 😉

Den meisten fällt es schwer, diesen Teil von sich zu akzeptieren- da wirkt die vergangene Programmierung halt sehr durchdringend. Nicht nur, dass die Gefühle lange unterdrückt wurden, wir haben auch nur wenige Begriffe in unserem täglichen Wortschatz dafür. Anerkannt wird ja eher die „richtige Art zu denken“- keine Gefühle. Einfacher wird es, wenn man sich -wie von einer distanzierten Position aus- nur auf die Beobachtung beschränkt- ohne zu bewerten, Worte wie „gut“ oder „schlecht“ also möglichst vermeidet. Außerdem sind diese Ausdrücke zu ungenau, um wirklich etwas damit anfangen zu können.
Auch wenn das erstmal komisch, ungewohnt, fremd für uns ist- wir werden dadurch keine gefühlsduseligen Weicheier- ganz im Gegenteil. Auf die Art werden wir zunehmend „Herr im eigenen Haus“- weil wir so Fremdbestimmung und eigene Persönlichkeit  unterscheiden lernen.

Denken oder fühlen

Das „oder“: wäre damit vergleichbar, dass wir uns eine Hand auf den Rücken binden lassen. Wir wären damit nicht nur um die Hälfte von dem eingeschränkt, was uns mit zwei Händen möglich ist- sondern würden viel mehr verlieren. So wie uns mit BEIDEN Händen ganz andere Bearbeitungen möglich ist- als mit jeweils einer einzelnen Hand- egal welcher- und egal, wieviel Zeit wir hätten.Nutzen wir die Fähigkeiten zu denken UND zu fühlen gemeinsam, lassen sie zusammen arbeiten- kann sich eine Vielzahl von ganz neuen Möglichkeiten entwickeln.

Fortsetzung folgt

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