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Infektionskrankheiten sind lästig- aber nicht sinnlos. So wie unser IQ z.B. in den Ferien gefährlich sinkt, wenn wir unser Hirn ebenfalls längere Zeit auf Urlaub schicken, unsere Muskeln verkümmern, wenn wir uns nicht bewegen, wird unser Immunsystem faul und träge, wenn es nie sinnvoll beschäftigt ist wird- ganz zu schweigen von den notwendigen regelmäßigen „updates“ der sich in Windeseile ändernden Viren. Oder es bekämpft ‚gelangweilt’ das Nächstbeste- wie die eigenen Körperzellen. Bei aller Einsicht in das notwendige Trainingsprogramm- schön sind Infektionskrankheiten trotzdem nicht- weder, wenn man selbst betroffen ist- und schon gar nicht, wenn wir eins unserer Kinder leiden sehen.

Zum Glück hat sich herumgesprochen, dass nicht mehr sofort mit Antibiotika herum gewedelt werden muss, wenn die Temperatur steigt. (Zur Erinnerung: Antibiotika helfen nur, wenn das Fieber durch Bakterien verursacht wird. Die Gefahr, dass Bakterien sich daran „gewöhnen“ können, nimmt zu. Eine Folge davon wäre, dass es schwierig wird, bei einer gefährlichen bakteriellen Infektion ein wirksames Mittel zu finden.)

Was passiert bei Fieber?

-Unser Immunsystem wird aktiviert- um das 4 – 6 fache.
-Bei ca. 39 °C Körpertemperatur wird die Bildung der eigenen Abwehrstoffe verstärkt. 
-Bei erhöhter Temperatur laufen Stoffwechselvorgänge rascher ab: Abbauprodukte können also schneller ausgeschieden werden.

Wenn der Organismus sich mit einer Krankheit auseinander setzt, kann er nach einigen Tagen einen ganz speziellen Abwehrstoff gegen genau diese Krankheit bilden. Diese Fähigkeit speichern bestimmte Zellen, so dass bei erneutem Kontakt die Krankheit in kürzester Zeit abgewehrt werden kann: man ist „immun“ geworden.

Sehr geschwächte Personen sollte man dem natürlich nicht aussetzen. Man würde ja auch keinen Bettlägerigen auf einen 1000 Meter Lauf schicken! Auch FieberKRÄMPFE erfordern einen anderen Umgang. Neigt ein Kind sogar dazu, sollte man am besten schon frühzeitig mit dem Kinderarzt darüber sprechen.

Nicht immer ist Fieber ein Hinweis auf eine Erkrankung. Ungewohnte körperliche Tätigkeit lässt sogar noch bei manchem Erwachsen die Körpertemperatur ansteigen- bei Kindern steigt die Temperatur sogar leicht mal, wenn sie sehr aufgeregt sind.

Bei einer fieberhaften Erkrankung mögen die meisten nichts Schweres essen- lieber Getränke zu sich nehmen, die keinen zu intensiven Geschmack haben. Wenn der Kranke Appetit hat, ist z.B. eine (selbstgemachte!!) Hühnersuppe super.

Kinder fiebern oft schneller und höher als Erwachsene- steigt die Körpertemperatur aber über 40°C sollte man auf jeden Fall den Arzt kontaktieren, auch wenn über starke Schmerzen (z.B. Kopfweh, Bauchweh) geklagt wird, Erbrechen oder Hautausschlag dazu kommt, oder das Fieber über mehrere Tage anhält. Bei Säuglingen oder Kleinkindern sollte man vorsichtshalber immer einen Arzt hinzuziehen- auch wenn es nur der Beruhigung dient.

In meiner Zeit als Krankenschwester haben wir bei hartnäckigem Fieber oft Wadenwickel gemacht- kaltes Wasser dafür verwendet, manchmal sogar mit Eiswürfeln ergänzt. Die Hardliner fügten noch Alkohol hinzu (durch die raschere Verdunstung des Alkohols kühlt der Wickel intensiver). Das funktionierte auch ganz gut und ich habe diese Art der Behandlung –erstmal- nicht angezweifelt… bis ich selbst das Opfer wurde! Wenn die Körpertemperatur über 39 Grad liegt und man dann so einen eiskalten Lappen verpasst bekommt- wo man doch sooo gern einfach nur schlafen und seine Ruhe haben möchte..

WIDERLICH!

Dann schon lieber Fieber..

Nach dieser Erfahrung habe ich gesucht, ob es nicht eine Alternative gibt. Fündig wurde ich zum Glück, als ich selbst Mutter war. Diese Tortur einem Kind zumuten?! Ganz bestimmt nicht!

In der Heilpraktikerausbildung lernte ich unter anderem viel über chinesische Medizin, dass es Dinge gibt, die „kühlen“ und auch andere, die „wärmen“- unabhängig von deren eigener Temperatur. Was sehr gut kühlt (auch als Speisen), sind z.B. Zitrusfrüchte.

Wenn man also eine (ungespritzte) Zitrone halbiert und mit Schale in lauwarmem Wasser ausdrückt *), hätte man damit schon die richtige Flüssigkeit für den Wadenwickel?

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Es hilft tatsächlich- und die Temperatur darf für den Kranken gern angenehm sein, trotzdem sinkt das Fieber.

Wie macht man einen Wadenwickel ?

Voraussetzungen:

-NIE beim ansteigenden Fieber- der Kranke friert dann auch oft.
-Der Kranke fühlt sich wegen des Fiebers schlecht (wenn er damit gut zurecht kommt, braucht man den Wickel nicht, dann reicht die Zitrone auch in Getränken)
-Die Haut des Kranken ist WARM bis heiß.
Ist alles andere warm/heiß und nur Fußsohlen und Hände kalt, dann ein Paar kuschelige Socken anziehen.

Vorbereiten:

-2 Innen-Tücher, die die Waden bedecken und ca 1 ½ bis max2 mal um die Wade reichen. Ideal wären Leinentücher- es gehen aber auch Geschirrtücher mit Leinenanteil, die man entsprechend faltet. Für Kinder ist das oft zu viel Stoff, dann bitte entsprechend zurecht schneiden.
-2 Übertücher aus Baumwolle
-Bei Kindern zum Befestigen Kniestrümpfe, die aber nicht zu dick sein sollten oder zu stramm.
Unterlage: Ein Moltontuch staut Wärme nicht, ist aber ziemlich wasserundurchlässig. Die meisten haben sowas noch aus Zeiten, wo das Kind noch nicht trocken war- wer das nicht hat: ein mindestens doppelt gelegtes dickes Frotteetuch tut’s auch.
-Das Zitronenwasser *) sollte zwar unter der Körpertemperatur liegen, aber angenehm für den Kranken sein. Bei Kindern ist das oft nur wenige Grad unter ihrer Fiebertemperatur.

Damit die Wickelei ungestört ablaufen kann, den Kranken erstmal zur Toilette schicken.

 jetzt geht’s los

Wenn der Kranke wieder im Bett liegt, nichts kneift, drückt, alle Krümel aus dem Bett entfernt sind, alle Falten des Lakens geglättet, das Schmusetier in der Nähe usw..:

Die Unterschenkel auf die Unterlage legen, die Übertücher auch locker unter jedes Bein und nun die gut angefeuchteten, aber mehr nicht tropfenden, Innentücher straff über die Waden wickeln, dann die Übertücher darum und bei unruhigen Kindern die Kniestrümpfe darüber. Ist das Fieber sehr hoch, sollten die Wickel nach 10-20 Minuten gewechselt werden. Die Tücher dürfen nicht warm und trocken werden- dann bewirken sie das Gegenteil. Nach einer Pause das Wickeln wiederholen- für 2 oder 3mal. Wenn Ihr Zeit habt, bleibt gern bei dem Kind. Wenn es nicht sowieso lieber schlafen will, erzählt z.B. eine Geschichte von Zitrone und Wasser, die dem Kind durch das Abenteuer helfen.

Bei sehr kleinen Kindern oder Säuglingen würde ich lieber einen Pulswickel machen:

Als Innentuch am besten Bourretteseide (die fühlt sich ganz anders an als die normale Seide-  das ist also kein Ersatz. Wenn Ihr Bouretteseide nicht bekommt, könnt Ihr eine Stoffwindel in Streifen schneiden)

Die Streifen sollten so lang sein, dass sie 3-4mal um das Handgelenk reichen.

Den Beginn des Streifens im Zitronenwasser (dessen Temperatur sollte nur wenig unter der Fiebertemperatur liegen) tränken und dann um das Handgelenk wickeln, mit dem trockenen Teil abschließen. Wenn das Kind sehr unruhig ist, einen Pulswärmer (z.B. abgeschnittene Socke) darüber ziehen.

Der Wickel sollte nach ca. 10 Minuten erneuert werden und 2 mal insgesamt gewechselt. Das Kind braucht dann eine mehrstündige Pause.

gute Besserung !

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