Mein Kind ist „hochbegabt“!

Bei Kindern aus dem Freundes- und Bekanntenkreis fällt mir eines immer wieder auf: Zwar glauben nur noch die wenigsten Eltern, dass ihre Kinder in den ersten Lebensjahren nicht viel mehr können als essen, trinken und schlafen, aber wo bleiben die vielen Erkenntnisse aus Neurobiologie und Verhaltensforschung, wenn es in Schule und Kindergarten geht?

Vor nicht allzu langer Zeit war es völlig normal, wenn ein 2jähriges Kind nur unverständliches Gebrabbel von sich geben konnte. Heute findet man dank engagierter Eltern und Betreuer ohne große Mühe 2jährige, die sich in längeren Sätzen gewählt ausdrücken (2 oder 3Wort-Sätze? Denkste!), Rückschlüsse aus gemachten Erfahrungen ziehen, die zwar nicht immer richtig sind- aber echt pfiffig!

bild1iStock_000008484482, Fotograf Doug Mc Kenzie

Die wild auf Input sind, zwar unterstützt, aber gern die Richtung vorgeben möchten. Das ist natürlich anstrengend – also wird im Kindergarten (Ausnahmen gibt’s zum Glück), das Kind erstmal „auf Linie“ gebracht.

Aus „Hochbegabung“ wird „Dummheit“

In der Schule wird die Schraube allmählich enger gezogen. Das geht manchmal so weit, dass ehemals aufgeweckte und kluge Kinder irgendwann mutlos aufgeben (dazu später mehr). Wenn ich aus der Distanz die Entwicklung dieser Kinder verfolge, scheint das Ziel kurz gefasst zu sein, die Kinder in Reih und Glied zu bringen und in gläubige Konsumenten von statischem „Wissen“ zu verwandeln, was leicht abgefragt werden kann.

Und den wenigsten scheint das aufzufallen!?

Als ich selbst als Lehrer gearbeitet habe, bin ich dieser Einstellung auch begegnet: gut beurteilt und bestärkt wurden die leicht lenkbaren Schüler. Als Störenfriede wurden die anderen betrachtet. Zu meinen Konsequenzen daraus und deren Folgen an anderer Stelle mehr.

Ein großes Missverständnis scheint auch zu sein, dass man meint, die von Kindern und Jugendlichen gewünschten Alternativen bestünden darin, sie sich selbst zu überlassen oder kleinere Kinder mit merkwürdigem Verhalten zu veralbern. Diese Wünsche treten aber erst als Reaktion auf. Auch dazu später mehr.

Erziehung und Bildung treibt mitunter merkwürdige Blüten: da werden Kinder schon im Mutterleib unterrichtet, fertige Unterrichtskonzepte verwendet, die gekauft oder von irgend wem verordnet werden, für die einfach ein bestimmter „Durchschnittsschüler“ vorausgesetzt wird, 3jährige sollen alle Buchstaben beherrschen und bis 100 rechnen können, usw.

Jeder von Euch könnte diese Liste bestimmt ergänzen.

(und.. Hand aufs Herz: wer von Euern ehemaligen Klassenkameraden hat denn den erfolgreichsten Lebenslauf – bei Karriere und Privatleben? wahrscheinlich nicht immer der „Lehrerliebling“ mit dem besten Notendurchschnitt – oder?)

Die meisten Kinder sind in der Lage, die Erwartungen der Erwachsenen zu erfüllen, wie schräg die auch immer sein mögen. Wir selbst haben Erziehungsziele als Kleinkinder übernommen, ohne sie in Zweifel zu ziehen und geben sie im Kern einfach weiter (früher gab’s Prügel bei schlechten Zensuren, heute gibt es Nachhilfe und Existenzängste schon in der 2. Klasse.. beides nicht wirklich optimal).

Was tun?

Die Frage stellt sich, was wir von und für unsere Kinder erwarten- was wir von unserer Zukunft erwarten. Vor nicht allzu langer Zeit brauchte man in der Hauptsache Arbeitnehmer, die brav und angepasst Angelerntes abspulen und anwenden konnten- aber wie sieht es heute damit aus? Sind jetzt nicht (auch?) Menschen mit ganz anderen Fähigkeiten gefragt? Woher kriegen wir die auf die Schnelle? Eignen sich dafür unsere jetzigen Methoden überhaupt? Welche ungeheuren Ressourcen verschwenden wir da eigentlich? Wie kann man das ändern- wenn schon nicht am Schulsystem, lässt sich außerhalb der Schule etwas dafür tun?

„Ausgewachsen“- Hopfen und Malz verloren?

Wir Erwachsenen unterscheiden uns in Vielem gar nicht so wahnsinnig von Kindern. Kindlicher Forschungsdrang ähnelt verblüffend naturwissenschaftlichen Forschungsmethoden- oder Kinder werden durch Miss- oder Nichtachtung ebenso ausgebremst wie Erwachsene. Manche als typisch kindlich klassifizierte Eigenschaften haben wir uns nur abgewöhnt und verdrängt. Es bleibt die Frage, ob das tatsächlich von Vorteil ist – oder-  ob man nicht das eine oder andere wieder beleben könnte.

erhebend

Forschungsergebnisse aus diesem Gebiet lassen sich mit den entsprechenden Anpassungen wunderbar auch auf z.B. Teamführung, Mitarbeitermotivation, Service übertragen.

Und was mir am besten daran gefällt- in dem Fall gibt es wirklich eine win-win-Situation- für alle Seiten.

Auch dazu später mehr