Vielen ist diese Behandlung gar nicht bekannt- zu Unrecht, wie ich finde. Anfangs mehr als skeptisch, wurde ich von der „rhythmischen Einreibung“ schnell überzeugt. .. 😉 nicht ganz freiwillig- aber nachhaltig. Es tummeln sich inzwischen ja eine Menge von „Massagen“ im Angebot. Voraussetzungen, Wirkungen und Anwendungsmöglichkeiten sind vielfältig und passen natürlich nicht für alles und jeden. Da gibt es:

-hot stone-Massagen

-klassische Massagen

-Reflexzonenmassagen

-Klangmassagen

-Bindegewebsmassagen

-Akupressur

-Lymphdrainage

-Shiatsu

-Lomi Lomi Nui

-Bürstenmassage

-Sportmassage

und bestimmt habe ich hunderte nicht aufgezählt

Manche davon dienen medizinischen Zwecken (dafür wird eine medizinische Ausbildung vorausgesetzt), andere werden als „Wohlfühlmassagen“ bezeichnet, die man bereits nach kürzester „Ausbildung“ anbieten darf, wobei der Begriff „Ausbildung“ wirklich alle Facetten beinhaltet.

Ich selbst hatte mit Massagen keine besonders guten Erfahrungen gemacht: fast immer schmerzhaft- und dieser Schmerz hielt teilweise tagelang an. Die Masseure waren felsenfest davon überzeugt, dass nur hilft, was weh tut.

Nö! Das wollte und brauchte ich nicht- denn außer Spesen (und Schmerzen) nix gewesen- was heißen soll, dass es auch nicht geholfen hat.

In den Fortbildungen und medizinischen Artikeln zur anthroposophischen Medizin hörte ich immer wieder von der „rhythmischen Massage“ und der „rhythmischen Einreibung“ und deren beeindruckender Wirkung.

Mit anthroposophischer Medizin hatte ich bisher gute Erfahrungen. Obwohl nicht immer konform mit den gängigen Methoden der Schulmedizin, war sie naturwissenschaftlich gesehen für mich nachvollziehbar. Aber was sollte ich mir unter einer „rhythmischen Massage“ vorstellen?

Eine Fortbildung zu finden, an der ich teilnehmen konnte, war nicht wirklich leicht. Zum Glück fand sich in Hamburg die damals noch junge „Carus Akademie“, die eine Ausbildung in rhythmischer Einreibung anbot. Voraussetzung war allerdings eine medizinische Ausbildung, da diese Behandlung zahlreiche Wirkungen auf die Organe zeigt.

Super- und nicht mal weit weg von meinem Wohnort.

Also: für den ersten Kurs angemeldet!

Nach den ersten Erklärungen ging es zur Praxis und mein Gesicht wurde lang und länger. Was sollte DAS denn sein? Einer meiner früheren Ausbilder hätte das herablassend als „Öhrchenkraulen“ bezeichnet. Das war geradezu das Gegenteil von dem, was mir bisher als „Massagen“ bekannt war: Harte, schmerzhafte Griffe waren ausdrücklich unerwünscht.

Für sowas das ganze Wochenende und so hohe Kosten?! Ich denke, man konnte mir meine Enttäuschung und Gereiztheit deutlich ansehen. Unsere Ausbilderinnen nahmen das zwar freundlich zur Kenntnis, reagierten aber nicht weiter darauf.

Am ersten Tag übten wir das richtige Auflegen der Hände ( ich weiss, dass sich das blöd anhört – aber das war echt nicht einfach!) Besonders, wenn man vorher die sonst üblichen kräftigen Griffe gelernt hatte.

Dann ging es ans gegenseitige Ausprobieren. Zuerst wurde uns mehrfach eine Behandlung gezeigt, bei der man nicht viel falsch machen konnte- bzw. wo Fehler nicht so gravierende Auswirkungen nach sich ziehen würden.  „Öhrchen-Kraulen“ mit gravierende Auswirkungen? Ja klar!

Wir teilten uns in Dreiergruppen auf und dann sollte es losgehen. WIE war das nochmal? Das war mir vorher noch nie passiert. Die einfach erscheinenden Handgriffe waren aus dem Gedächtnis wie weggeblasen. Das ging nicht nur mir so- es gab überall ratlose Gesichter. Nun zeigte sich der Vorteil so vieler Ausbilder, die unsere Reaktion scheinbar ganz normal fanden.

Es wurde noch einmal gezeigt, dann fing der erste an, wurde korrigiert, immer wieder, bis es für die Ausbilderin richtig aussah. Puh! War das schwierig! Dann wurde gewechselt und der nächste durfte sein Glück versuchen. Aber auch der musste permanent korrigiert werden.

Während der Übungen gab es also jemanden, der massierte(„einrieb“), einer wurde massiert und einer beobachtete und korrigierte notfalls. Auch das hatte ich so noch nicht erlebt-  war hier auf diese Art aber tatsächlich angebracht. Aus jedem Part ergaben sich eine Unmenge notwendiger Erfahrungen.

Die Ausbilderinnen achteten genau darauf, dass eine Behandlung nicht zu lange dauerte. O.k. es musste ja jeder alles ausprobieren. Bei mir hielten sie sich allerdings zurück und so übte jemand über einen längeren Zeitraum einen bestimmten Ablauf. Schmerzlos massiert zu werden, ist ja nett- deswegen protestierte ich nicht.

Warum ich das erzähle? Ohne die nun folgende Erfahrung hätte ich das Wochenende unter „Verluste“ abgelegt und die Ausbildung nicht fortgesetzt.

In der darauf folgenden Nacht konnte ich nämlich kaum ein Auge zumachen. Immer wieder musste ich zur Toilette. Gegen Morgen meinte ich, eigentlich nur noch aus trockenen Staub bestehen zu können. Was hatte ich gestern nur gegessen oder getrunken? Da war nichts Besonderes gewesen…

Eine der Ausbilderinnen erkundigte sich beiläufig, wie es mir ginge. .. ich sähe etwas müde aus. ? Während meiner Schilderungen wurde ihr Grinsen immer breiter.. Wie?!

Sie hatte natürlich gemerkt, dass ich von der rhythmischen Einreibung nicht besonders angetan war. Hätte sie darauf nur versucht, mich mit Worten von den tiefgreifenden Wirkungen überzeugen zu wollen, hätte sich an meiner Skepsis wenig geändert. Aber nun hatte ich erlebt, wie sich eine (noch) harmlose Überdosierung dieser Handgriffe auswirken kann. Durch die überlange Behandlung sei nämlich meine Nierenfunktion stark angeregt worden .

Für die durchwachte Nacht gab es –trotz aller Suche- tatsächlich keine andere Erklärung.

Oha… ! Wenn das eine derartig drastische Wirkung hat, verstand ich nun auch den Aufbau der Ausbildung. Mit den richtigen Handgriffen sollte man sogar jemanden aus lebensbedrohlichen Zuständen (in ihren Anfängen) herausholen können, sehr geschwächte Personen stärken usw., d.h. man konnte hier auch vieles falsch machen.

Da diese Behandlung häufig geübt werden muss, bevor man sie bei Kranken anwenden kann, zieht sich die Ausbildung obendrein über viele Monate/Jahre hin.

Wenn man schließlich über ausreichend Erfahrung verfügt, erkennt man schnell, in welchem Moment die Behandlung anschlägt (ganz konkret: man hört z.B. nach bestimmten Griffen an den Beinen, dass der Darm anfängt, zu arbeiten). Wie ich am eigenen Leibe erfahren konnte, muss sich die Länge nach der Reaktionsfähigkeit des Patienten richten, d.h. man muss rechtzeitig aufhören.

Auch wenn ich die Wirkungen der rhythmischen Einreibungen immer wieder erleben konnte, blieben sie mir lange ein Rätsel.

Der Reiz auf einen Nerven muss ausreichend sein, damit eine Reaktion (Weiterleitung) erfolgt…. also „viel hilft viel“?  Diese Einschätzung von Masseuren hatte ich ja oft genug kennengelernt- auch in vorangegangen Ausbildungen. Aber auch die ganz kräftigen Handgriffe erreichen ja höchstens Muskeln. Wieso hatten so sanfte Griffe Auswirkungen bis auf innere Organe?

Nach einigen Jahren stieß ich auf einen Artikel über bestimmte Neuronen (Nervenzellen), die bei „brutalen“ Griffen quasi auf stur schalten. Sie reagieren nur auf sanfte Stimulierungen- und deren Wirkung reicht dann auch weiter als bis in die Muskeln. Das war es also- und deswegen ist diese Art der Behandlung mit den sogenannten „klassischen Massagen“ schwer vergleichbar.

Inzwischen habe ich mich ganz auf diese Art der „Massage“ konzentriert- denn sie haben noch eine weitere Wirkung: der Behandler ist danach nicht erschöpft, wie es mir nach den üblichen Massagen zuvor immer erging.

 

 

 

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