„Schon mäßig wählerisches Essverhalten bei Kindern kann zu Gesundheitsproblemen führen“. *) Nach einer US-Studie leiden beim Essen wählerische Kinder später doppelt so häufig z.B. unter Depressionen wie bereitwillige Alles-Esser. Auch wenn die Mäkelei nicht ganz so drastisch ausgeprägt ist, halten die Forscher medizinische Beratung und Behandlung für angebracht. Super! Schon ist ein neues Feld mit Scharen potenzieller Patienten erschlossen. Welches Kind isst schon alles gern? Ist mein Kind noch normal, wenn es Rosenkohl ekelig findet? Oder ist das schon ein erstes Warnzeichen? Mit nichts macht man Eltern so leicht kirre wie mit der Gesundheit ihrer Kinder und der eigenen Verantwortung dafür. Das ist nicht neu (s.u.). Eine akute Krankheit ist leider immer viel zu schnell vorbei und braucht dann weder einen Therapeuten noch Medikamente.. Und welche Eltern wollen ihre Kinder schon einer ernstzunehmenden psychischen Störung aussetzen? (siehe auch: zu hoher Blutdruck und  Risiken selbst einschätzen…)

In der Praxis habe ich übrigens nicht einmal erlebt, dass Kinder grundlos bestimmte Nahrungsmittel verweigern. Probieren ist eine Sache: Manche Geschmacksrichtungen muss man erst kennenlernen.  Eine dauerhafte Verweigerung bestimmter Nahrungsmittel ist dagegen ganz etwas anderes:


Nur wenige Menschen haben in Skandinavien Probleme mit Milch, dagegen im Mittelmeerraum bis zu 90 Prozent. (Bei welcher Bevölkerungsgruppe kommt es wohl häufiger zu Depressionen?) Essen diese Menschen trotzdem regelmäßig Milchprodukte, gibt es irgendwann Krankheitssymptome. Kinder mit einer Milchunverträglichkeit verweigern oft schon früh bestimmte Milchprodukte. Brauchen solche Menschen eine Therapie?

Zwingt man seinem Kind bestimmte Nahrungsmittel auf, immer wieder, weil man mit dieser „Vielfalt“ oder einem vermeintlich gesunden Lebensmittel seinem Kind etwas Gutes tun will, könnte man dadurch genau das Gegenteil erreichen: Der Körper wird immer mehr geschwächt- weil er sich dauernd mit unverträglichen Nahrungsmitteln herum schlagen muss. So, wie ein Kind mit angeborener Zöliakie nicht dadurch gesünder wird, dass man es nun GERADE an das Gluten „gewöhnt“.

Wie ich an früherer Stelle schon beschrieben habe: Man hat folgenden Versuch mit Babies gemacht: Die Kinder konnten frei wählen, welche Milch sie trinken wollten. Die Kinder mit Vitamin-D-Mangel griffen dabei freiwillig zur Milch mit Lebertran (schmeckt echt fies!)- so lange, bis der Mangel behoben war. Kinder ohne Mangel wollten die Lebertranmilch nicht trinken, obwohl sie doch SO gesund ist… (Haben wir hier gar schon einen ersten Hinweis auf eine mögliche psychische Erkrankungsbereitschaft?).

iStock_000007390231Largeiphoto, Fotograf sykadelx

Etwas in der Art kann man bei sich selbst testen: Viele sind (chemisch gesehen) leicht „sauer“. Das kann man feststellen, indem man den pH des Morgenurins misst. „7“ entspricht dem Wert von Wasser- das ja weder sauer noch basisch (das „Gegenteil“ von sauer) ist. Das ist also neutral. Alles was mit weniger als 7 angezeigt wird, ist sauer, alles darüber basisch. Liegt der Wert nicht nur leicht, sondern erheblich unter 7, empfehle ich ein Mittel, das basisch ist und ausgleichen kann. Solange man das Mittel braucht, schmeckt es nach „nichts“. Ist der Wert dagegen schon zu hoch- also zu sehr im basischen Bereich, schmeckt das Mittel nach „Seife“ (die basisch ist) und man bekommt es nicht mehr herunter. Das ist natürlich gut, weil ein zu basischer Wert ebenfalls ungesund ist. (Für alle, die ihrem eigenen Gefühl nicht trauen, liegen aber auch Teststäbchen zum Messen dabei.. 🙂 )

Eine derartige Vielfalt der Nahrungsmittel wie heute gab es früher nie: Fleisch, Obst, Gemüse, Reis, Gewürze aus den entlegensten Winkeln der Erde quer durchs ganze Jahr! Und erst all die künstlichen Aromen, Emulgatoren, Stabilisatoren und und und…Es muss zur Erhaltung der Gesundheit nicht sein, dass ein Kind unbedingt ALLES essen muss, bzw. dass es physisch überhaupt dazu in der Lage ist. Vielleicht verfügt ein Kind einfach nicht über die notwendigen Enzyme, um bestimmte Nahrungsmittel aufzuspalten. Nahrung mit Fructose (Fruchtzucker) anzureichern, erzeugt inzwischen bei immer mehr Verbrauchern eine Unverträglichkeit mit üblen Symptomen. Auch die Verweigerung solcher Zubereitungen scheint mir nicht auf künftige Erkrankungsbereitschaft hinzuweisen. Dazu kommt, dass ein normales Kind nicht unbedingt wild auf Gemüse ist. Das muss keinen beabsichtigten Machtkampf mit den Eltern anzeigen, dahinter wird eher eine Schutzfunktion vermutet. Andere Nahrungsmittel können besser auf ihre eventuelle Schädlichkeit eingeordnet werden (verdorbenes Fleisch oder faule Eier lassen sich ohne Schwierigkeiten als ungenießbar identifizieren), die Gefahr einzelner „Gemüse“ nicht- wie z.B. Pilze (bei einem Knollenblätterpilz reicht schon ein Stückchen, um das Kind ins Jenseits zu befördern) und da gibt es derer mehr. Die meisten Kinder mögen halt kein Gemüse, das legt sich mit den Jahren. Wenn man sie immer wieder ein Löffelchen probieren lässt (damit sie diesen Geschmack auch kennen und einordnen lernen), gibt sich das in den meisten Fällen.

Ein Erfahrungsbericht von einem für sich selbst wenig BIO-Überzeugten: Als dessen Kind einige Wochen alt war, wurde der Mutter dringend geraten, Gläschen zu zu füttern. Das Kind war bei der Geburt schon sehr groß und man befürchtete, dass Muttermilch allein nicht ausreichen würde. Nur- nach wenigen widerwillig geschluckten Löffeln- traten dem Kind Tränen in die Augen- und alles begab sich auf den Rückzug. Weil der Kinderarzt weiterhin auf eine Zufütterung drängte, wurden verschiedene Hersteller, verschiedene Gemüse, Obst usw. probiert.. keine Chance. Nichts blieb drin- außer Tee und Muttermilch. Die Eltern wurden zunehmend gereizt und wollten ihrem Kind diese erschöpfende Prozedur nicht länger zumuten. Jemand aus dem Bekanntenkreis brachte schließlich ein Karottengläschen in demeter-Qualität mit (Nur „bio“ hatte leider auch „versagt“). Der Inhalt sah wenig vielversprechend aus, war farblich alles andere als anziehend und der Geschmack erzeugte bereits bei den Eltern einen leichten Würgreiz.  Was soll ich sagen? Der erste Löffel blieb drin. (Als Ergebnis einer positiven Erwartungshaltung der Erwachsenen? Nee! Bestimmt nicht!) Nach einer Pause gab’s den zweiten. Ohne Gegenwehr wurde auch DER gegessen. Schließlich war das Gläschen leer und nichts passierte. Da lag es also nicht am Widerwillen gegen Karotten allgemein, sondern an der Zubereitung und den Rohstoffen. Trotzdem wurde das Angebot dann doch erst ab einem Alter von 6 Monaten allmählich erweitert. Und trotzdem gab es keinerlei Mangelerscheinung bei dem Kind. (Übrigens hat die WHO soeben das ausschließliche Stillen für die ersten 6 Lebensmonate empfohlen– schade, dass sie nicht schon früher darauf gekommen sind. Der Familie wären eine Menge Stress, endlose Diskussionen und Rechtfertigungen erspart geblieben!)

Eine weitere Geschichte, die wirklich keine allgemeine Empfehlung sein soll, aber verdient, erwähnt zu werden: Eine Mitschülerin aß über Monate nur Äpfel. Dazu auch noch keine besonders „gute“ Sorte. Alles andere wurde verweigert.  Nach einer Weile wurde die Mutter unruhig und konsultierte den Kinderarzt. Der konnte keinen Mangel feststellen- nach mehreren Monaten immer noch nicht- was ihn wohl selbst am meisten erstaunte. Diese komische Phase verschwand genauso plötzlich, wie sie aufgetaucht war. Das Mädel blieb während der ganzen Zeit gesund-es gab nicht mal einen Infekt. Diese Äpfel mag sie bis heute gern, es gab allerdings danach nie wieder so einen „Apfel-Anfall“. Wie es ihr wohl ergangen wäre, wenn man ihr eine „ausgewogene Ernährung“ eingetrichtert hätte?

Meine eigene „Zickigkeit“ als Kind beim Essen stellt sich mit dem heutigen Wissen übrigens lediglich als Gespür für gesündere Nahrung heraus. So habe ich gern beim Bauern in der Nähe eingekauft, wenn ich bei meinen Großeltern auf dem Land zu Besuch war. Vormittags wurden dort nämlich die kleinen Kartoffeln für die Tiere gekocht und lagen zum Abkühlen bereit. Hmmm. Pellkartoffeln! Salzkartoffeln mochte ich einfach nicht. Leider blieben Pellkartoffeln zu Hause immer die seltene Ausnahme, weil meine Mutter sie zu „gewöhnlich“ fand. Wie gut, dass die Bäuerin meine Vorliebe kannte und mir immer ein paar zusteckte. Bis heute kann ich mich darüber freuen, dass es bei mir Pellkartoffeln gibt, falls mir mal nach Kartoffeln ist. Die Vorlieben galten/gelten auch für andere Lebensmittel: wie Vollkornbrot mit ganzen Kernen/Körnern, Obst direkt vom Baum oder von den Sträuchern, Möhren NUR roh- frisch gezogen, Zitronensaft pur, wilde Kräuter usw.- genauso wie einige der starken Abneigungen überlebt haben. (Diverse Gemüsesorten mochte ich übrigens auch lange nicht). Damit war ich gar nicht besonders. Etwas Ähnliches fiel mir genauso -gerade bei Kindern- später bei Bekannten und in der Praxis auf und ich freue mich jedes Mal, wenn ein Kind trotz der vielen Verführungen der Nahrungsmittelindustrie noch gesunde „Instinkte“ hat (anstatt sorgenvoll die Stirn zu runzeln, weil diese Vorlieben berücksichtigt werden wollen).

Bedrückende Folgen hat es, den Kindern sein eigenes (Ernährung-)Weltbild aufzuzwingen. Rohkost und Vollkorn sind für die wenigsten Kleinkinder geeignet, selbst wenn das den erwachsenen (!) Eltern noch so gut bekommen sollte. Und Milch ist eben NICHT für jeden gesund- aber genauso wenig für alle der Nagel zum Sarg (Ich meine damit wirklich Milch- von ungequälten Kühen– nicht dieses weiße denaturierte Zeugs, was heutzutage als „Milch“ bezeichnet wird.). Wenn ein Kind wirklich Fleisch essen WILL, obwohl die Eltern vegetarisch leben, ist das fast immer ein Zeichen, dass das Kind Fleisch braucht. Wie ich in einem früheren Bericht geschrieben habe, ist für mich eh nicht die Frage, ob „Fleisch oder nicht“. Noch schräger (doch.. das gibt es..): dass der eine Elternteil sich die leckeren Fleischteile in die Pfanne legt und zum Essen in der Küche einschließt. Die Kinder müssen sich derweil draußen mit dem Geruch begnügen, weil „Fleischgenuss Kinder charakterlich verderben könnte“. Auch die ewigen Diskussionen um Zucker drehen sich eigentlich um etwas anderes als um reine Ernährungsfragen. Der Appetit auf Süßes ist angeboren und gerade bei Kindern normalerweise vorhanden. Da man seine Kinder nicht in einer Blase aufwachsen lassen kann, werden sie immer mit Süßigkeiten konfrontiert. Ich habe mir in vielen Schilderungen anhören müssen, zu welchen Auswüchsen diese Zwickmühle führen kann. Selbst der schlimmste Snack, Bonbon oder was auch immer, kann nicht solche immensen Schäden anrichten, wie der seelische Druck, in dem manche Kinder sich deswegen befinden. Warum ist es nur so schwierig,  diesen (angeborenen!) Appetit zu akzeptieren? Es gibt klasse Alternativen zu den fertigen Produkten, die man übrigens auch gut im Unterricht von Kindern selbst herstellen lassen kann- und dann als das darstellt, was es ist: eine Leckerei- und keine Weltanschauung .. 😉  ) Da lohnt es sich mehr, auf Fertignahrung, Fertigmahlzeiten zu verzichten. Darin versteckt sich oft genug Zucker- nicht gerade der beste und davon viel zu viel.

Spannenderweise scheinen übrigens -teilweise schwere- Störungen ihren Ursprung u.a. in Nahrungsmitteln zu haben. Als Beispiel: Wochenbettdepressionen können durch einen erheblichen Mangel an Omega3-Fettsäuren hervor gerufen werden. Da während der Schwangerschaft ein erhöhter Bedarf entsteht, aber unser Speisezettel selten genug davon enthält, kommt es leicht zu einem Mangel (nein- Tabletten/Kapseln sind wohl weniger die Lösung, besser sind natürliche Quellen wie Makrele, Thunfisch, Hering oder Walnüsse). Wochenbettdepressionen können bedrohliche Ausmaße annehmen und stellen eine ernsthafte Erkrankung dar. Auf den Punkt gebracht: statt Psychopharmaka und psychiatrischer Behandlung ein paar Makrelen und Walnüsse und alles ist wieder im Lot? Cool! Hört sich gut an. Versuchen würde ich das auf jeden Fall!! 🙂

In wieweit sich anderes auswirkt, kann man noch gar nicht abschätzen.. Verpackungen aus Weichplastik wirken wie Östrogen Das kann unter anderem bis hin zur verfrühten Pubertät oder einer Verweiblichung bei Männern führen, die mit einer zu geringen Samenbildung einhergeht.. Dass DARAUS psychische Probleme entstehen können, kann ich mir sehr gut vorstellen. Das Thema ist damit noch lange nicht erschöpft, daher später dazu mehr.

*) Solchen „Studien“ würde ich mit Vorsicht begegnen. Ich denke oft, dass die Fragen zu eng gestellt sind oder mit Gewalt Zusammenhänge hergestellt werden, die dann einen direkten „Nutzen“ für Geldgeber bieten. Vielleicht haben Depression und Mäkelei den gleichen Ursprung- hängen aber nicht direkt von einander ab,  weisen gemeinsam auf etwas ganz anderes hin- oder haben überhaupt nichts miteinander zu tun ( mehr dazu). Wie muss ein Kind/Mensch überhaupt beschaffen sein, um nicht als behandlungs“bedürftig“ und damit flugs als Geldquelle eingestuft werden zu können?

Zusammengefasst: Optimal wäre nach meiner Meinung ein Angebot hochqualitativer, wenig vorverarbeiteter, vielfältiger Lebensmittel aus Region und Jahreszeit, Nahrungsmittel möglichst umgehend aus Plastikverpackungen, Alufolie usw. zu nehmen, das Kind Ungewohntes probieren lassen, aber nichts in Mengen aufzwingen- und: sich mehr auf die Signale des eigenen Kindes als auf Artikel ein zu stimmen-  das Bauchgefühl ernst zu nehmen- notfalls wieder trainieren! 😛

Bei meinem „veganen Ausflug“ konnte ich unerwartete Reaktionen beobachten, die in einer „Studie“ wahrscheinlich unter den Tisch gefallen wären. Wer von Euch hat eine umfangreiche – eventuell sogar ungewöhnliche- Nahrungsumstellung hinter sich, oder plant etwas Ähnliches? Es wäre klasse, wenn Ihr  körperliche Reaktionen kurz notieren könntet (was genau habt Ihr verändert, wie verändert sich darauf das Appetitverhalten, gibt es neue Krankheitssymptome- verschwinden alte, Veränderung der Stimmung, Körpergeruch… was auch immer) DAS würde ich gern sammeln und auswerten. Eine direkte Mailadresse gibt’s im Impressum- auch für Nachfragen. Ich bin gespannt!

39.3

Facebook Auto Publish Powered By : XYZScripts.com