Foteviken4Welche „Zaubertränke“ brauten die- auch im Frühjahr wachsamen- Wikinger eigentlich zusammen? Kriegt man das selbst auch hin?

Vor einigen Jahren las ich einen Artikel über „fehlende“ Frühjahrsmüdigkeit bei den Wikingern. Scheinbar fanden sich Hinweise auf alle möglichen Erkrankungen und Befindlichkeiten- aber kein Wort über Frühjahrsmüdigkeit.

Lag’s gar nur an der kernigen Lebenseinstellung?

Man vermutete, dass der Verzehr junger Wild-Kräuter im Frühjahr den nötigen Pepp verschafft haben könnten. Oder ein Getränk aus Wasser und zerrieben Kräutern. Weil der grausliche Geschmack jeden lieber schlaftrunken über Wochen durch die Straßen schlurfen lassen würde, habe ich dann herum probiert. Dass nur hilft, was schrecklich schmeckt, kann ich nämlich nicht bestätigen.

Schließlich hatte ich das richtige Grundrezept beieinander. Als ich begeistert darüber berichtete, war die Reaktion darauf allerdings verblüffend.

???

Meine Großeltern versorgten sich -wenn möglich- selbst. Das meiste kam aus dem eigenen Garten- aber auch aus der freien Natur.

Ok.- Feldwege, Brachflächen und Gemeinschaftswälder gab es bei mir zu Hause in der Stadt ja eher selten. Was hätte man schon auf Grünstreifen ernten können? In den Ferienwochen bei Oma und Opa aber lernten wir in der „Wildnis“ die vielen Leckereien und „1.Hilfe“-Pflanzen- die verschwenderisch wuchsen- kennen und schätzen. Damit ließ sich unterwegs Essbares finden, wenn man das Spiel draußen nicht unterbrechen wollte- oder die Entdeckungstour etwas länger wurde als geplant. Auch bei kleineren Verletzungen konnten wir uns damit helfen. Und diese Quellen wurden zu etwas Selbstverständlichem.

Später kamen Erklärungen zu den möglichen Heilmitteln hinzu, die sich im Notfall schneller finden ließen als die nächste Apotheke. Das Bio-Studium sorgte schließlich für zahlreiche Ergänzungen.

Warum erzähl’ ich das?

Weil mich nur zu häufig die Reaktion meines Gegenübers verblüfft.

Wenn etwas nicht aus der Apotheke stammt, dem Supermarkt, bestenfalls noch dem Bio-Laden, dann wird man daran sterben. Garantiert! Mindestens! Noch schlimmer, wenn ich z.B. erst während des Essens nebenbei erwähne, dass ich die Pilze, Beeren selbst gesammelt habe. (Natürlich nur die, die ich einwandfrei erkenne- auch wenn es sehr viel mehr essbare gibt. Im Bio-Studium mussten wir zwar alles probieren- bei manchen Pflanzen aber lieber nicht- gerade bei unbekannten Pilzen oder Beeren!) Meine Großeltern wären bei einem „kreativen Umgang“ mit unbekannten Pflanzen bestimmt nicht weit über 80 Jahre alt, bzw. fast 99 geworden. Ich muss ja auch nicht unbedingt Überzeugungsarbeit leisten. Da gibt es auch genug anderes, das man essen kann- und keine Panik auslöst.

Weiter für die „Abenteuerlustigen“ und „Entdecker“ unter Euch, die dieses Rezept mit der verblüffenden Wirkung ausprobieren wollen: Bevor man anfängt, alles zu sammeln, was einem unter die Finger gerät, sollte man natürlich die Pflanze ganz genau erkennen können- ihre Wirkung und ihre Dosierung. Auch wenn Fingerhut natürliches Digitalis enthält- DAS ist etwas, wo die falsche Menge lebensgefährlich werden kann, wie auch andere Pflanzen tabu sein müssen, z.B. Bilsenkraut oder Vogelbeeren, die hübsche Datura oder Goldregen.

Ein paar ungiftige Pflanzen kennt bestimmt jeder: z.B. Gänseblümchen, Bärlauch oder Löwenzahn. NUR diese sollte man auch sammeln. Wenn Ihr Eure Kenntnisse erweitern wollt, dann schaut Euch später im Jahr an, wie die Kräuter blühend aussehen. Mit der Blüte lassen sie sich beim ersten Mal sehr viel leichter identifizieren- und dann erkennt man sie auch später im Jahr darauf ohne Blüten.

Auch selbstverständlich dürfte sein, dass man nicht gerade neben einer stark befahrenen Straße sammelt oder gar einem Hundeauslauf- und.. das ist keine Erdbeerplantage, wo immer wieder nachgepflanzt wird: Also nicht ALLES von einer Stelle abrupfen und auch nicht zu tief- am besten immer so, dass noch Seitentriebe bleiben.

Viele gut wirkende Kräuter wachsen sogar oft massenhaft an einer Stelle. Nur weil etwas ganz fürchterlich selten vorkommt, ist es noch lange nicht besonders „kräftig“ oder hilft gar besonders gut. Ähnlich falsche Ansichten sorgten dafür, seltene Pflanzen an ihren Standorten auszurotten. Sowas brauchen wir also nicht für unsere Frühjahrskur. Das Zeug soll helfen, möglichst ohne Würgreiz trinkbar sein- aber das Design ist hier nebensächlich 😉

Für dieses Rezept braucht man sowieso nur ganz kleinen Mengen. Es werden lediglich die ersten ca. 2 cm eines ganz jungen Triebs gesammelt- z.B. Brennnessel, Scharbockskraut, Braunelle, Giersch, Gänseblümchen, Mire- oder auch ganz junge Erdbeer- oder Himbeerblätter. EIN kleiner Trieb pro Pflanze reicht. Es sollten mindestens 7 verschiedene sein- und möglichst frisch. Kräuter aus der Gemüseabteilung des Supermarkts kommen nur im „Notfall“ als Ergänzung in Frage-, z.B. wenn man erst 2 oder 3 Kräuter kennt. Wenn Ihr nicht jeden Tag rauskommt, könnt Ihr die Ration für den nächsten Tag in ein feuchtes Tuch hüllen und in das Gemüsefach des Kühlschranks legen. Größere Vorräte sollte man jedoch nicht anlegen.

Die Triebe gut abspülen, mit frisch gepresster Zitrone, Milch/Buttermilch/Kefir in einen Mixer geben und gut durchmixen. Wenn’s geht – auch noch eine Knoblauchzehe dazu. Zum Schluss mit etwas Salz abschmecken- wer mag. Das Ganze möglichst morgens trinken.

Zitrone und etwas in der Art wie Milch verbessern das ursprüngliche Wikingerrezept, weil die Inhaltsstoffe damit besser aufgenommen werden können. Naja.. und mir persönlich schmeckt es so auch besser.

Gar nicht so schwierig- oder?

Die meisten merken schon nach einem einzigen Glas eine Wirkung- wenn man unter Frühjahrsmüdigkeit leidet, reicht das aber nicht. Dann besser über 14 Tage. Es hilft nicht nur, sondern ist sogar recht lecker. Ihr könnt selbst herumexperimentieren, was Euch am besten schmeckt – vielleicht auch Walnussöl und Wasser statt Milch, oder Mandelmilch usw.

Diese Kur ist für das Frühjahr gedacht, wenn die ersten Kräuter gerade durch die Erde blitzen- und die Bäume noch keine Blätter haben. Sind die Kräuter größer geworden, sind sie dafür nicht mehr geeignet. Abgesehen davon stellt sich in dieser Zeit unser Stoffwechsel um und kann Unterstützung dabei durch den Trunk gut gebrauchen.

Guten Appetit- und einen wachen Start in den Frühling!

trieb

 

 

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