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38.1

Das Erkunden, sich bei der Ernährung nach den Wünschen des eigenen Körpers zu richten, ist wirklich schwierig. So viel, wie ich über „richtige Ernährung“ bisher gelernt habe, spuken die „man sollte“s doch mehr als mir lieb ist, durch den Kopf. Jetzt lebe ich (obwohl genetisch als „Omnivore“ programmiert) seit einigen Wochen vegan.

Nachdem ich in den letzten Monaten regelrecht süchtig nach Kefir und Käse war, auch gelegentlich Fleisch und Eier gegessen habe, beschloss ich eines Tages, eine Weile vegan zu leben. Ich war überzeugt davon, dass mir das gerade gut tun würde (Warum? Keine Ahnung). Beim Besuch dieses Neulands wollte ich nur auf meinen „Bauch“ hören und beobachten, was passiert.

Am Rande: Was mir bei „Studien“ immer wieder auffällt: Es ist schwierig, unbefangen ALLE Ergebnisse zu registrieren und erst nach dem Sammeln aller Einzelheiten zu interpretieren- wenn man mit ganz bestimmten Erwartungen an etwas heran geht. In den meisten Fällen wissen die Forscher schon vorher, wie das Ergebnis auszusehen hat, oder  könnte- und übersehen dadurch vielleicht die wirklich interessanten Dinge. Dieses Mal wusste ich nicht, was im Laufe der Zeit auf mich zukommen würde, habe absichtlich keine zusätzlichen Informationen dazu gesammelt. Auf Biegen und Brechen durchhalten- das sollte es nicht werden. Sollte „der Bauch“ einen Abbruch fordern, würde ich dem nachgeben. Ich hatte in meiner Praxis oft genug erlebt, wie man sich mit Ernährungs-Vorschriften schaden kann, die ausschließlich „kopfgesteuert“ sind (bzw. wenn man sich nach Ergebnisse von „Studien“ ernährt, die sich dazu noch innerhalb kürzester Zeit widersprechen).

Vorher gelang es mir nie, meinen Käsekonsum für mehrere Tage einzustellen. Jetzt klappte das zu meinem großen Erstaunen ohne Anstrengung. Ich hatte über Wochen nicht das Gefühl, dass ich mich in irgendeiner Weise kasteien würde. Komisch. Ich bin, wie gesagt, nicht den vielen vielen klugen Vorschriften gefolgt, sondern nur meinem „Bauchgefühl“. Daher habe ich auch weiterhin Süßes gegessen, weil ich ab und zu wirklich Appetit darauf hatte. Wenn nichts Tierisches enthalten sein soll- ist die Auswahl verschwindend gering. Denn in „vegetarischen Bonbons“ ist manchmal Ei oder Jogurt- damit scheiden sie aus. Was diesmal auffällig war: mein Hunger auf Süßes war schneller gestillt, als ich es bisher kannte.

Ich hatte auch mehr Appetit auf Gewürze als sonst- und ein ungewohntes Verlangen nach Knoblauch, nach Zwiebeln weniger (Der Schwefel allein kann es also nicht gewesen sein). Mit der Zeit verschwanden sogar körperliche Beschwerden. Nach einigen Wochen funkte der Verstand schließlich doch dazwischen: ich fügte meinem Speiseplan Seidentofu hinzu- da bisher nur das Eiweiß aus Getreide und Kartoffeln dazu gehörte- und damit ja ein Mangel geradezu vorprogrammiert hätte sein müssen…

Für alle, die nur den Monate haltbaren Standardtofu kennen- und hassen: ich mag den auch nicht. Ich habe immer das Gefühl, Gummi mit Pappegeschmack zu essen, und trotz aller Gewürze: die „Pappe“ bekam ich nie weg- außerdem war ich danach immer regelrecht krank- d.h. ich vertrage ihn überhaupt nicht. Anders bei Seidentofu: den bekommt man in asiatischen Läden, er wird frisch hergestellt und ist nur einige Tage haltbar. Dieser Tofu ist weicher, bröselt nicht so, hat einen schwachen Geschmack in etwa wie Quark – kein Pappegeschmack weit und breit- und er ist sehr viel besser verträglich. Er nimmt gut das Aroma von Gewürzen auf. Wenn man diesen Tofu mariniert, kann man damit viele interessante Varianten erhalten.

Obwohl ich diesen Tofu wirklich gern mag, verspürte ich unerwartet nach wenigen Bissen einen starken Widerwillen. Ich habe ihn jedoch aus „Vernunftsgründen“ weiter gegessen und nicht weil es mich danach tatsächlich verlangt hätte. Am nächsten Tag waren die bekannten Beschwerden zurück gekehrt. Damit wurde er wieder vom Speiseplan gestrichen.

Wenn man sich über die Zutaten veganer Fertigprodukte informiert, vergeht einem oft der Appetit schon beim Lesen. Manches, was man für vegan halten könnte, stellt sich doch als anderes heraus: Wie ich gerade hörte, werden Schweineborsten so weiter verarbeitet, dass sie Brot schön locker machen- und daher als Back-Zutat Verwendung finden. (nee. oder?! ) Also: selbst ist der Bäcker..

Nun bin ich dabei, herum zu probieren. Pudding kann man auch mit (Karamell)Zucker und Wasser, Saft, Wein kochen- aber was nehme ich in den Kaffee? Haltbare Soja- oder Reismilch schmeckt mir einfach nicht. Aber wie wäre es mit Mandelmilch? Die habe ich gerade für mich selbst hergestellt (in den Rezepten empfohlen werden immer ungeschälte ganze Mandeln- mit denen funktioniert das gar nicht so gut- mit gehackten geht es besser und das übrig gebliebene Mehl kann man besser weiter verarbeiten). Mandeln selbst- besonders die bereits gehackten- haben ein eher „dezentes“ Aroma. Die Milch daraus ist allerdings überraschend aromatisch! So eine Milch soll sich auch gut aus Nüssen herstellen lassen, das werde ich noch probieren.

Wenn man sich anschaut, wie viel Quälerei und Leid hinter „normaler“ Milch steckt, kann man diese Milchprodukte generell auch als „Allesesser“ oder Lacto-Vegetarier eigentlich nicht mehr kaufen. Alternativ gibt es ja nicht nur Bio-Läden bis hin zu gut sortierten Bio-Märkten, man kann sich Käse, Milch, Jogurt auch von Öko-Kisten-Anbietern nach Hause liefern lassen. Und: schmecken tut’s – gerade bei Milchprodukten- als Bio oder gar demeter eh besser 🙂

Kuchen war bisher ebenfalls nicht drin. Die Kuchen von Veganern aus der Bekanntschaft- und da dann noch der ganz besonders gesunde.. waren eher eine Zumutung- dann lieber gar keinen. Mit der Ansicht stehe ich nicht allein da.

Kuchen besteht aus Butter, Mehl, Zucker, Eiern… hm..nur Mehl und Zucker? Ergibt harte süße Fladen. Bleibt also nur noch Hefeteig?

Bis ich dann auf ein Rezept stieß, was umsetzbar schien: Eier lassen sich mit Apfelmus oder Banane ersetzen. Die Butter kann man ja leicht mit Öl tauschen- aber auch das schmeckte mir zu sehr nach gewollt und nicht gekonnt. Inzwischen bin ich auf (naturbelassen und BIO- schmeckt wirklich anders) Kokosfett umgestiegen- was sehr gut zu den Früchten passt.

Mit Gelierzucker klappte es besser als mit normalem Zucker. Sogar das Mandelmehl aus der Mandelmilchherstellung lässt sich sehr gut einarbeiten- als weitere Zutaten Apfelmus und Zimt. Hmmm!

Das Ergebnis waren leckere, fluffige Muffins- denen man ihr „veganes Sein“ weder ansieht noch herausschmeckt. Das könnte man also auch „Allesessern“ bei einer Einladung anbieten, wenn man keine Lust auf Grundsatzdiskussionen hat. Als nächstes werde ich verschiedene Toppings ausprobieren- dafür habe ich einige Ideen und auch Bonbons selbst machen. Mal sehen, wie das mit den neuen Zutaten klappt.

Egal ob ich künftig vegan, vegetarisch, lactovegetarisch lebe oder wieder alles essen werde, – eins habe durch diese Wochen gelernt: mir wirklich nichts mehr gedankenlos in den Mund zu schieben. Komplett vegane Nahrungsmittel zu finden, ist nicht einfach- oft genug verstecken sich „Spuren von Milch“ oder eben auch sowas wie Schweineborsten in den Lebensmitteln. Damit wird jede Nahrungsaufnahme sehr bewusst. Entweder muss man akribisch die Inhaltsstoffe durchgehen(ein Glück, dass so viele Chemie-Veranstaltungen zu meinem Studium gehörten!..) – oder man macht lieber gleich so viel wie möglich selbst. Diese Wachheit für die Qualität und Beschaffenheit der Lebensmittel ist ein positives Fazit aus der Zeit. Schon allein dafür hat sich der Ausflug gelohnt.

Ich weiß nicht, wie lange ich weiter vegan leben werde- mein angelerntes Wissen protestiert lauthals und droht mit Mangelerscheinungen. Vom Kopf her könnte ich inzwischen wieder die gewohnten Nahrungsmittel essen, aber mein „Magen“ ist immer noch anderer Meinung- also lasse ich es.

Interessant, wenn so unterschiedliche Informationen ankommen. In China ist mir das häufiger passiert. Mein Kopf lehnte Nahrungsmittel ab, vom Magen dagegen gab’s kein rotes Licht und sie sind mir erstaunlich gut bekommen (z.B. geschnetzelte Quallen, gezuckerter oder roher Fisch, oder aufdringlich riechende Gemüse)- und die umgekehrte Variante gab’s auch. Was davon ist „freie Entscheidung “? Angelerntes Verhalten? Angeborenes Verhalten?  😛

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