Medusa_by_CaravaggioCaravaggio: Medusa

Ängste können einem die Freude am Leben schon ziemlich vergällen..

Sobald die Ursache identifiziert ist, sollte das aber doch kein Problem mehr sein-?

Oder?

Wenn das mal so einfach wäre…

Zu den angeborenen Ängsten gesellen sich die Erziehungsorakel: Wenn Du das und das machst- oder jenes nicht unterlässt, passiert ganz was Schlimmes. Wie im letzten Beitrag beschrieben, können solche Szenarien manchmal angebracht sein- MÜSSEN das aber nicht. Meistens haben wir alle Aussagen unbesehen komplett verinnerlicht und stellen sie gar nicht in Frage- erst, wenn sie erhebliche Probleme machen.

Noch schwieriger wird es, wenn sich weit und breit kein vernünftiger Grund für Ängste ausmachen lässt- die dann auch noch so bizarr sein können, dass man niemals jemandem freiwillig davon erzählen würde. Deren Ursachen liegen entweder in der frühen Kindheit oder einem Trauma, das von unserem Unterbewusstsein gut versteckt wurde.

Oft genug ist es ein Herumraten- man bleibt bei der Ursachenforschung zu früh stehen- und die eigentliche Ursache liegt an ganz anderer Stelle. Darauf, WIE abenteuerlich und „verrückt“ manche Situationen miteinander verknüpft abgespeichert werden, kommt man in den kühnsten Träumen nicht.

Ok- nehmen wir mal an, dass man etwas identifiziert hat- das hilft aber noch lange nicht weiter. Bestimmt kennt jeder Situationen, wo der Verstand etwas messerscharf durchschaut- aber das eigene Gefühl interessiert das nicht die Bohne: ob in trüben (sicheren) Gewässern schwimmen, enge Räume betreten (nein. .. das ist nicht immer automatisch das Geburtstrauma   😉 ), eine Heidenangst vor Höhe, Weite, Autos (aber nur welche in speziellen Farben), irgendwelchen (harmlosen- wie der Verstand genau weiß!) Spinnen, anderen Krabbeltieren oder ähnlichem.

Da gibt es z.B. die Möglichkeit einer „Desensibilisierung“, wo derjenige immer wieder in Begleitung eines Therapeuten der Angst auslösenden Situation ausgesetzt wird. Das kostet eine Menge Angstschweiß, klappt auch nicht immer, teilweise gibt es Rückfälle. Kommt der Patient allerdings in eine ähnliche Situation, die diese Angst ausgelöst hat, ist der Erfolg schlagartig dahin…- Die Ursache für die Angst muss man für eine Besserung nicht unbedingt genau kennen. Ungünstig wird es allerdings, wenn man im Laufe seines Lebens auf diese Ursache erneut trifft. Es ist dabei völlig uninteressant, ob es sich dabei um eine tatsächlich gefährliche Situation gehandelt hat. (Ich selbst halte von diesem Verfahren übrigens wenig- auch bei der Therapie von Allergien. Die Erklärungen für den „Erfolg“ sind mir zu kurzsichtig. Außerdem gibt es mir zu viele „ungünstige“ Verläufe und Nebenwirkungen- aber das nur am Rande)

Neuer ist eine Variante, bei der die Augenbewegungen der Traumphasen kopiert wird – während der Klient sich im Geiste eine Angst auslösende Situation vorstellt. Das klappt bei einigen ganz hervorragend.

Tiefe Hypnosen? Könnte.. klappen- nur.. man weiß nie so genau, ob die „Wurzel“ tatsächlich erwischt wurde- oder der Hypnotisierte am Ende voreilig gefasste Interpretationen des Hypnotiseurs übernommen hat. Dummerweise merkt der das selbst oft nicht- sonst würde er es in den meisten Fällen natürlich nicht tun. Damit gäb’s dann sogar ein Problem zusätzlich. (WIE erschreckend leicht das geht, ist bereits mehrfach untersucht worden.)

Die klassische Psycholgie hat diverse Methoden zu bieten, der Psychiater zusätzlich die Möglichkeit, Medikamente oder einen Klinikaufenthalt zu verordnen. Aber auch hier gibt es natürlich die Möglichkeit einer Fehlinterpretation- schließlich bleiben diese Personen – bei aller Professionalität- trotzdem Menschen.

Egal, welche Methode man für sich wählt (natürlich gibt es noch mehr), manchmal hilft es- manchmal nicht. Bei der einen Methode fühlt man sich gut aufgehoben, mit einer anderen unwohl. Sollte sich das Unwohlsein nicht legen, würde ich persönlich so schnell wie möglich nach einer Alternative Ausschau halten.

Eine weniger bekannte Methode möchte ich noch vorstellen, die nach meiner Erfahrung aber in den beschriebenen Fällen gut geeignet ist: Das Unterbewusste ist hier weder böser noch dummer Störenfried, der wie ein hinterhältiger Kobold aus seiner eigentlich untergeordneten Position ausbricht und einem Menschen das Leben vergällt. (Ist es nicht interessant? Die als „niedrig“ eingestuften Systeme rufen neuerdings immer mehr ehrfürchtiges Erstaunen in der Wissenschaft hervor- sei es wegen ihrer  Fähigkeiten oder ihrer Einflüsse- ob es sich dabei um Bakterien handelt.. den Darm.. Fähigkeiten der Tiere… Aber das nur am Rande- und: es zeigt, wie leicht man durch Vorurteile Ressourcen verschwenden kann 😉 ) Man bringt das Unterbewusstsein also nicht zum Schweigen, (ob mit Medikamenten, Verhaltensübungen uvm.), betrachtet dessen Interventionen nicht als unnötig oder gar lästig- sondern ganz im Gegenteil:

es wird als willkommener Helfer in alles mit einbezogen.

Erinnern wir uns:

Das oberste Ziel des Unterbewusstseins ist unser Schutz – nicht unser Schaden. Die Mittel dafür sind dem Verstand nicht immer nachvollziehbar. Und trotz aller guten Absicht „vergreift“ es sich leider bisweilen, weil es in bestimmten Situationen keine besseren Alternativen zur Verfügung hat.

Der Klient –anders als z.B. in einer tiefen Hypnose- bestimmt den Ablauf des Gesprächs- bzw. führt dessen Unterbewusstsein mal schnurstracks- mal mit einigen Schlenkern- an die Ursache heran.- So kann der Grund für die Ängste in einem geschützten Rahmen- in „Zusammenarbeit“ mit dem Bewusstsein- neu bewertet und „korrekt abgelegt“ werden kann. Eine (sogar unbeabsichtigte) Suggestion von außen wird vom Unterbewusstsein erkannt und boykottiert. Sobald etwas „Fremdes“ unterstellt wird, reagiert es mit Verständnislosigkeit- so lange, bis die tatsächlich vorhandenen Inhalte wieder angesprochen werden.

Manchmal ist die Ursache aus gutem Grund nicht zu identifizieren. Dann weiter und weiter zu bohren, hilft keinem. In so einem Fall bastelt der Klient (mit Hilfe von Fragen des Begleiters) sich eine neue „Erinnerung“, die die Angst unnötig macht. Ohne die Ursache zu kennen, sind dann eben auch mal mehrere Geschichten notwendig. Wichtig ist dabei die Zurückhaltung des Begleiters: Der Klient muss seine eigene/n Geschichte/n entwickeln, mit der/denen es ihm gut geht. Was dem Begleiter gut tut, ist nicht automatisch auch für jeden anderen geeignet. Das kann man gar nicht oft genug wiederholen…. Da der Klient ja alles wach erlebt, hat er danach keine verfälschten Erinnerungen. Dabei handelt es sich also nicht um eine Art Gehirnwäsche. Glücklicherweise klappt das mit dieser Methode ja auch gar nicht. Der Klient erinnert sich danach durchaus richtig- aber gelassen. Die Erinnerung an die bisher Panik/Starre usw. auslösenden Situationen zieht keine ähnlichen Reaktionen mehr nach sich. Die Vergangenheit ist „vergangen“, nicht mehr akutell, beeinträchtigt die Gegenwart nicht mehr.

Wen wundert es, wenn das inzwischen zu meine Favoriten zählt – nicht nur, weil es sich so wunderbar mit den Erkenntnissen der Neurobiologie verträgt- sondern darüber hinaus ein Weg ist, die Selbstbestimmung (wieder) zu erhalten.

Es gibt also ganz unterschiedliche Varianten, Ängsten zu begegnen, die einen immer wieder behindern. Da sollte sich hoffentlich für jeden das Richtige finden lassen, ob mit oder ohne Hilfe von außen.

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