65.1Einstein-FederJeder Mensch ist einzigartig.
Menschen haben einen freien Willen.
Verhalten und Entscheidungen sind weitestgehend festgelegt.
Der Mensch ist ein Produkt seiner Erziehung.

Was stimmt denn nun davon?

Alles.
Irgendwie.

Die einen träumen davon, Menschen mit bestimmten Eigenschaften nach ihren Vorstellungen züchten zu können. Eltern wollen ihren Kindern am liebsten alles „Gute“, was überhaupt nur geht, mit auf ihren Weg geben- und davon dann nur das Feinste.

Und jeder für sich selbst? Was sind tatsächlich eigene Entscheidungen, hinter denen wir besten Gewissens stehen können? Welche außergewöhnlichen Begabungen gibt es? Verfügt man gar selbst über welche? Oder die eigenen Kinder? Aber in welchem Winkel haben sich die versteckt? Und wie findet man die?

Angeboren ist uns schon mal eine ganze Menge.
Zum Glück.
Wenn wir über alles und jedes nachdenken müssten, wären wir den lieben langen Tag damit beschäftigt und würden trotzdem nur einen Teil der Fragen bewältigen können. Also ist eine sinnvolle angeborene Verhaltensweise, alle Informationen der jeweiligen Umgebung aufzusaugen und abzuspeichern. Damit verfügt man über eine „automatische Gebrauchsanleitung fürs Leben“ und kann möglichst bald allein klar kommen.
Theoretisch.

Aber wer von uns muss heute noch fast seine gesamte Energie in die Nahrungsbeschaffung investieren- und zwar von Kindesbeinen an? Trotzdem übernehmen wir von den Eltern alles wie ein Naturgesetz (später bei entsprechender Ausdauer geht das sogar weiter- s.Werbung)

Wenn alles immer beim Alten bleibt, oder die Lebensanleitung später nur um Kleinigkeiten ergänzt werden muss- ist das ja auch nicht schlecht. Aber was ist, wenn sich alles rasant verändert, das Dach über dem Kopf und die tägliche Nahrungsbeschaffung keinen andauernden Kampf mehr bedeutet, der vorher Lebensinhalt war?

Bis in die 80er Jahre waren noch viele davon überzeugt, dass Kinder als „unbeschriebenes Blatt“ zur Welt kommen, nicht wirklich etwas wahrnehmen und oder gar merken. Die ‚tierischen Triebe‘ eines schreienden Babys mussten abgehärtet werden und es wurde weitestgehend außer Sicht- und Hörweite deponiert. Gegessen und getrunken wurde, was die Erwachsenen entschieden, ebenso ging es mit Schulbildung und späterem Beruf- lange auch mit der Wahl des Ehepartners. (Ich weiß: bei einigen ist das bis heute so.)

Der eigene Wille des Kindes war etwas Ungehöriges, Unanständiges und es galt, ihn zu brechen- mit lange akzeptierten teils übelsten Mitteln.
Bestimmt erinnern sich noch viele an die Wut, die in einem hoch brodelte, wenn man der Willkür der Erwachsenen und damit Stärkeren ausgesetzt war.
So lange das fürs Überleben notwendig war.. naja.. aber sobald das geregelt war, begannen sich die ersten zu wehren- und dann immer mehr- mit Erfolg.

Den Zustand der oben beschriebenen hilflosen Wut will man nicht für seine Kinder- und schon gar nicht als Zielscheibe dafür herhalten. Also versucht man, seinen Kindern alle Möglichkeiten zu bieten (die innerhalb kürzester Zeit in ungeahnte Vielfalt explodiert sind), unangenehme Gefühle von ihnen fern zu halten, der Freund der Kinder zu sein, sie immer glücklich zu machen-
und schießt komplett über das Ziel hinaus.
Zum Schaden aller (dazu später mehr).

Vor kurzem hat man sich bei Älteren abgeschaut, wie ein Kind „erzogen werden“ muss.  („Kindererziehung“ ist nämlich nicht angeboren. Warum wohl? 😉 )Andere Möglichkeiten kamen sowieso nicht in Frage. Die Lebensumstände änderten sich von Generation zu Generation nur minimal, so dass man damit immer richtig lag.

Heute sind die Änderungen derartig drastisch, dass die erlebten Vorbilder alle nicht mehr passen wollen. Es gibt alles- an Materiellem und an Ansichten. Aber wofür soll man sich entscheiden? Was gerade noch als A und O propagiert wurde, wird kurze Zeit darauf bekämpft.

Bei der Kindererziehung ist also jeder eine Art Pionier, der absolutes Neuland betritt- und lernen muss wie bei allem anderen, das wirklich neu ist: über Versuch und Irrtum. Denn wer verfügt schon über „die“ Wahrheit? Niemals war der Boden derartig schwankend und unsicher wie im Moment. Man kann nur die eigenen Erfahrungen mit den eigenen Beobachtungen und vielleicht noch Forschungsergebnissen abgleichen und bereit sein, immer wieder genau hin zu schauen und dazu zu lernen.

Eigentlich möchte man sich auf etwas Sicheres verlassen. Umlernen ist ungleich schwieriger, als etwas komplett Neues zu lernen (Dabei ist es nur die andere Seite der Medaille, wenn man einfach das Gegenteil von dem macht, was man bisher kannte- aber es ist nicht „Neues“)-Trotzdem wird man nicht darum herum kommen, Vertrautes zu hinterfragen- denn nicht immer ist „altgewohnt“ gleichbedeutend mit „altbewährt“. (Erst recht, wenn man sich die Frage stellt: „Wem nützt das“? Das werden wir später sehen.)

Der Weg liegt nicht einfach schnurgerade vor uns, ähnelt eher einem vorsichtigen Vortasten wie durch ein Moor. Man tut gut daran, jeden nächsten Schritt bewusst und gut zu prüfen.

Andererseits- niemals standen so viele Möglichkeiten für so viele offen, kann/darf so vieles neu gedacht und erprobt werden.

Auf geht’s! 😉

Fortsetzung folgt.