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Nein – ich bin kein „Teetrinker“.

Hagebutten-Tee erinnert mich an fröhliche Ferienabende bei meinen Großeltern inmitten zahlreicher Besucher allen Alters- oder an spannende Aufenthalte in Jugendherbergen: deswegen mag ich ihn bis heute. Aber sonst? Pfefferminztee,  Schreckenserlebnisse als 4jährige in der Klinik, HNO-Stationen und entfernte Mandeln sind immer noch ein und dasselbe. Genau genommen, hat der Geschmack für mich eher etwas von Zähneputzen als von einem Getränk.

Schwarzer Tee? – naja .. wenn man damit den Eingeweiden bei Magen-Darm-Infekten einen Gefallen tut?..Soweit ganz o.k. – Aber freiwillig… mit Genuss… trinken? Och…nö! Die meisten grünen oder weißen Tees begeisterter Teekenner schmecken für mich nicht viel aufregender als heißes Wasser, erinnern mich eher an Heuaufgüsse der Mikrobiologie-Praktika- oder versehentlich geschlucktes „Natursee-Wasser“. Von Rooibos will ich gar nicht erst anfangen…

Oder wenn ein Tee von sich aus so gruselig schmeckt, dass man ihn mit „Erbeer-Sahne“, Vanillin, „tropical dreams“  oder einer der vielen anderen Kunst-Varianten aufpeppen muss, um ihn überhaupt trinken zu können?- Neee! Diesen Genuss überlasse ich großzügig dessen Fans.

Meine Selbstversuche mit Heiltees waren noch schlimmer. Dann schon lieber Krämpfe als ein weiteres Mal Gänseblümchen-Tee! An Salbei, Thymian, Kamille (für Anwendungen außen: super.. aber nichts anderes    😉 ) und andere Kräuter erinnere ich mich auch nur noch mit Grausen. (Für die, denen es ähnlich wie mir geht: wenn man sich etwas „eingefangen“ hat, begleitet von Bauchweh, Fieber usw., dann schmeckt schlichtes heißes Wasser tatsächlich – und tut auch gut. Den meisten ist in der Situation nicht nach kräftigen Geschmacksnoten- auch wenn sie angeblich „gesund“ sind. Wem das doch zu langweilig ist: der kann einen Aufguss mit Maisbart oder Maishaar versuchen. Das ergibt ein zartes Aroma, erinnert ein wenig an Honigduft- und nach der TCM ist das der einzige Tee, der ohne Nebenwirkungen kräftigt.Blad_van_monocotyl_SuikermaisFotograf Rasbak van TeunSpaans

Für Homöopathieliebhaber: Das ist meines Wissens nach der einzige Tee, mit dem man keine unabsichtliche Arzneimittelprüfung durchführt und der auch nicht als Antidot zu einer laufenden Behandlung wirkt. Bei Apothekern oft unbeliebt, weil sehr preiswert. 😉 )

Ich würde also nicht zu den erlesen Kreisen der feingeistigen Teeliebhaber gehören- sondern bei diesen Alternativen lieber schnöder Kaffeetrinker bleiben wollen.

Meine erste Überraschung erlebte ich in abgelegenen Dörfern Marokkos. Da gab es natürlich keine Cafés, in denen man nach einer umfangreichen Getränkekarte verlangen könnte. Minztee war im Angebot und fertig. Zack! Sofort war er präsent- der Klinik-Albtraum. Was soll’s? Wenn man es wie zu Hause haben möchte, dann muss man halt dort bleiben. Was uns dann serviert wurde, hatte allerdings überhaupt keine Ähnlichkeit mit dem Mundwasser, das mir normalerweise als „Pfefferminztee“ bekannt war. Wer noch nie so einen Tee probiert hat, sollte das unbedingt tun. Das ist bis heute ein Lieblingsgetränk an heißen Sommertagen für mich geblieben.

Wer ihn mal selbst zubereiten möchte: Wasser aufkochen, schwarzen Tee darin ziehen lassen, pro Glas 1-2 Teel. Zucker mit dem heißen Tee aufgießen und 1-2 Stängel frische Minze dazu. (Manche Gastronomen meinen, es sei egal, ob Pfefferminze und Spearmint ..nein! ist es nicht!) Man kann den schwarzen Tee auch weglassen. Mir persönlich schmeckt es mit besser.

Den nächsten „aha“-Effekt gab es auf einem Flug mit easyjet nach Luton. (Warum ich die Linie nenne? Doch, das hat einen Grund: es handelt sich um eine britische Billig-Fluggesellschaft und kulinarisch gesehen gibt es lediglich eine ‚Grundversorgung‘ gegen Entgelt.) Als die Mädels ihren Servierwagen vorbereiteten, zog ein sagenhaft attraktiver Duft durchs Flugzeug. Schwarzer Tee? Huch! DAS musste unbedingt probiert werden: Trotz Teebeutel…  😉  (jaaa. Für mich ist Tee halt keine Weltanschauung…. Teebeutel sagen noch lange nichts über die Qualität aus- wie schon mehrfach nachgeprüft wurde- das kann im übrigen ja jeder handhaben, wie er möchte. ) erlebte ich einen unerwarteten Genuss. Mit schwarzem Tee! In einer BilligAirline! Man lernt doch nie aus! In England blieb ich während meines kurzen Aufenthalts bei schwarzem Tee- und wurde nicht ein einziges Mal enttäuscht.

Zurück in Deutschland suchte ich nach der vertrauten englischen Marke. Boah! Reinfall! Das Zeug schmeckte so, wie ich Tee schon lange kannte. Das lag angeblich an unserem Wasser. Gegen das Wasser in meinem Wohnort ist nichts einzuwenden, das ist sehr gut. Warum das nun derartig den Teegeschmack verderben sollte? Man weiß es nicht.

Bei meinem nächsten Umstieg in London besuchte ich Harrods und schaute mich dort nach Tees um. Äh.. ja.. Tee?.. Gab’s massenhaft. Was soll man da wählen? Eine Verkäuferin eilte zu Hilfe und fragte nach meinen Wünschen. Ich schilderte ihr mein „Problem“: in England hatte mir der Tee sehr gut geschmeckt- in Deutschland schmeckte die gleiche Marke in der gleichen Aufmachung – .. nicht. Die Verkäuferin grinste. Mit dem Problem stünde ich nicht allein da. Ich solle mir ganz schlichten „english breakfast tea“ mitnehmen und testen. Sie sei sich sicher, es läge NICHT am Wasser. Was soll ich sagen? Sie hatte Recht! Der Tee schmeckte genauso gut, wie ich es aus England kannte. Muss man wirklich nach England fliegen, um anständigen Tee kaufen zu können? Oder übers Internet? Aber was bekommt man da? Meinen Reinfall mit in Deutschland gekauftem Tee hatte ich ja schon. Ich kenne bisher leider nur eine Alternative: Lidl bietet immer mal wieder Lebensmittel aus einem bestimmten Land an, Wenn die „englischen Wochen“ dran sind, findet man in diesem Rahmen auch den richtigen Tee.

ErfrischungsgetränkDer Zitronentee aus Kindertagen schmeckt mit DIESEM Tee übrigens auch ganz anders- und köstlich. Wer den noch nie selbst gemacht hat, vermutet ein ungeheuer kompliziertes Rezept. Ist es gar nicht. 😉 Ca. einen Liter Wasser aufkochen, ca. 3 Teelöffel oder 3 Teebeutel schwarzen Tee darin ziehen lassen. Ich lasse den Tee immer mindestens 5 Minuten ziehen – wer mag, kann ihn auch eher heraus nehmen. Dann kommt Zucker dazu (oder Agavendicksaft) und der Saft von 2-4 Zitronen (die Saftausbeute ist je nach Zitrone sehr unterschiedlich, das muss man ausprobieren). Wenn man unbehandelte Zitronen hat, kann man auch 2 Zitronenscheiben dazu geben. Den Tee abkühlen lassen und mit Eis servieren. Sogar ganz frisch und noch heiß kühlt dieses Getränk. (TCM: es gibt kühlende und wärmende Lebensmittel. Könnt Ihr ausprobieren. Klappt tatsächlich.)

In China testete ich schließlich weitere – darunter auch sehr erlesene- Teesorten. Das hat mich alles nicht vom Hocker gerissen. Bis auf den Jasmin-Tee. Den kannte ich bisher nur als „Parfüm-Tee“ und stehe ja eh mit den ganzen Kunst-Aromen auf Kriegsfuß. Dieser hier war mit echten Jasmin-Blüten vermischt – nicht solchen, wie wir sie aus den Gärten kennen, sondern ganz zarten kleinen Blüten mit einem unvergleichlichen Duft – der teilweise tatsächlich auch ein wenig an Tee erinnert. Der Geschmack dieses Tees ist einfach traumhaft- im wahrsten Sinne des Wortes.Jasmin

In Deutschland versuchte ich, einen solchen Tee zu finden. Fehlanzeige. Maximal ungenießbar, mit synthetischen Geschmacksstoffen parfümiert, hatte der genauso viel Ähnlichkeit mit echtem Jasmin wie Duftsprays für Toiletten. Warum war das so schwierig? Jeder, der bisher diesen Tee bei mir probierte, mochte ihn- manchmal auch zur eigenen Verwunderung. Sprach ich Teehändler darauf an, verstummten sie merkwürdig schnell. (Warum? Keine Ahnung!) Der einzige Grund für diese Aromatisierung sei die minderwertige Qualität grüner Tees: solche Ware würde nicht ins Angebot aufgenommen. Damit erschöpfte sich die Auskunftsfreudigkeit. In einem Geschäft für asiatische Lebensmittel habe ich vor kurzem zum ersten Mal diesen Tee entdeckt.

Auf meiner Suche nach den Tees in Deutschland irritierten mich die Reaktionen zunehmend. „Tee“ scheint merkwürdigerweise eine Weltanschauung zu sein. Ich  wurde jedes Mal mehr oder weniger als Ignorantin belächelt, die einen guten Tee nicht von einem schlechten unterscheiden könne, die einen so ’schlechten‘ Tee wie den englischen oder den Jasmintee freiwillig trinken würde (Hab ich was verpasst? Was ist mit den gruseligen Kunstaromen? Gibt’s die gar nur in Verbindung mit Super-Tees?) Was ist daran anrüchig, die von „Kennern“ akzeptierten Teesorten nicht zu mögen? Gäste, die normalerweise keine Teetrinker sind, waren von „meinen“ Tees angenehm überrascht.  Was „stimmt“ mit uns allen nicht? Auch wenn etwas noch so „erlesen“ ist- wenn es mir nicht schmeckt, dann will ich das halt nicht. (nicht selten aus gutem Grund: s. hier oder hier) Und wenn ich etwas „Gewöhnliches“ lecker finde? Was soll’s?! Irgendwie fühle ich mich bei diesem Thema merkwürdig an „des Kaisers neue Kleider“ erinnert.

Ausschließlicher Teetrinker bin und werde ich nicht. Zumindest morgens will ich einen guten Kaffee- aber nach einer üppigen Mahlzeit einen Jasmintee, am Nachmittag einen englischen schwarzen Tee, zum Aufwärmen im Winter einen Yogi-Tee oder als Mahlzeitenersatz an heißen Tagen einen Minz- oder Zitronentee ? Gern! Und:  mit Genuss!  Auch z.B. ein Matcha-Tee schmeckt mir- nachdem ich mir von einer Japanerin zeigen ließ, auf welche Weise er in ihrer Heimat zubereitet und genossen wird- oder besser noch: als Gast einer Teezeremonie. Manche Teekunstwerke aus China sehen so schön aus, dass ich ihnen sogar ihren Geschmack „verzeihe“.

Erblühtee.2011.DSC09458 Kopie

Wenn es sich ergibt, werde ich mich gelegentlich weiterhin durch die Teelandschaft vortasten, ganz vorsichtig  – ohne mich dabei von unbekleideten Kaisern beeindrucken zu lassen.   🙂

Chrysantheme 2008.DSC04869 KopieBei dem Tee auf dem oberen Foto handelt es sich um Chrysanthementee- der auch nicht schlecht schmeckt, wenn… er denn frisch ist- und eine gutes Stärkungsmittel darstellt, wenn man gesundheitlich schwächelt. Eine gute Qualität zu finden, ist aber leider selbst in China nicht ganz einfach. In Deutschland ist mir das noch nicht gelungen- da scheinen die (mumifizierten…) Blüten lediglich aus optischen Gründen beigemischt zu werden.