Am 24. Juni ist Johannitag- und damit beginnt die Zeit, in der Johanniskraut gesammelt werden kann. In Norddeutschland blüht es etwas später, aber lange wird es nicht mehr dauern.

31.2Hypericum-perforatum-250605-1Fotograf Michael H. Lemmer

Für den Hausgebrauch lässt sich Johanniskrautöl- oder Rotöl – gut selbst herstellen. Wie mir von Seminarteilnehmer berichtet wurde, trifft man leider auch auf Anleitungen, mit denen es garantiert nicht klappt- aber eigentlich ist das gar nicht so schwer.

Johanniskraut wird je nach Standort zwischen 15cm bis knapp einen Meter hoch, hier im Norden meist um 40-50 cm. Oft stehen mehrere Pflanzen locker zusammen, so dass man schnell die benötigte Menge zusammen bekommt.

31.3.450px-Hypericum_perforatum_09Fotograf:Bjoertvedt

Die Pflanzen mögen Licht: man findet sie am Wegrand, auf  trockneren Waldlichtungen, oder sie siedeln sich auch gern auf ungenutzten Flächen, zwischen Bauruinen und auf Schuttplätzen an.

Wer sie einmal gesammelt hat, erkennt sie schnell wieder. Sollte es beim ersten Mal schwierig sein, das echte Kraut zu erkennen- hilft ein genauer Blick auf die Blätter: Wenn man sie gegen das Licht hält, scheinen sie wie mit einer Nadel durchlöchert zu sein. Diese helleren Stellen entstehen durch die sogenannten  „Öldrüsen“.

31.4.HypericumblattFotograf:Michael Gasperl

Die Pflanzen lassen sich häufig finden, man sollte aber darauf achten, sie an möglichst wenig belasteten Stellen zu sammeln. Und weil man sie an dieser Stelle schließlich nicht ausrotten will: bitte ein Messer oder eine Schere mitnehmen, mit der man sie abschneiden kann: am besten nicht direkt über dem Boden, sondern so, dass noch einige der Seitenäste übrig bleiben- und auch ein paar komplette Pflanzen stehen lassen. Mit einigen Stielen lässt sich schon eine gute Menge ansetzen.

Die Seitenäste und Blüten in ein „Weithals“- Glas geben (500gr Jogurthgläser sind sehr gut dafür geeignet), so viel und so dicht wie gerade hinein passt. Handelsübliches Öl ist weit weniger konzentriert- die Eigenherstellung lohnt sich also. Nun wird Öl darauf gegeben bis alle Pflanzenteile bedeckt sind. Man kann dafür Mandel-, Jojoba- oder Olivenöl nehmen- wobei ich Olivenöl angesichts des geplanten Einsatzes für am sinnvollsten halte*). Das Glas wird verschlossen und in die Sonne gestellt. Dort belässt man es für mindestens drei Wochen. Weil wir im Norden mit Sonne nicht so häufig verwöhnt werden, lasse ich es auch oft länger draußen. Wichtig ist hier nicht nur „Licht“, sondern wirklich Sonne.

Mit der Zeit tritt der Wirkstoff aus der Pflanze in das Öl über, dessen Farbe dadurch immer mehr in Richtung „rot“  geht. Je mehr Pflanzenanteil, desto intensiver wird das Rot.  Schließlich sieht es tatsächlich fast wie Blut aus (s. am Ende des Artikels). Dann wird das Öl abgefiltert und gut verschlossen, kühl und dunkel aufbewahrt. Auf dem unteren Bild kann man sehen, wie sich die Farbe im Laufe einiger Tage in der Sonne verändert (Ich selbst fülle das Glas allerdings sehr viel dichter und nehme nicht nur die Blütenstände, sondern auch die feineren Seitenästchen):

31.5.Hypericum_perforatum_oil_extraction_HC1Fotograf: Holger Casselmann

Während reines Olivenöl nicht gerade so duftet, dass man es sich auf die Haut geben möchte, hat das “Rotöl“ nun einen schöneren zarten Duft- ähnlich wie die früher typischen Babypflegeprodukte.

*)Warum gerade Olivenöl? Das Öl wirkt desinfizierend, wundheilend, gut zum Heilen und Pflegen entzündeter Haut und für Einreibungen bei rheumatischen Beschwerden. Außerdem wirkt es wärmend.

Wofür lässt sich Johanniskrautöl verwenden?

Auch um Johanniskraut toben regelrechte „Glaubenskriege“- aber wie jedes Heilmittel (auch jedes schulmedizinische) ist es kein ALLheilmittel. Faustregel: man kann es dafür benutzen, wo Sonne selbst auch helfen würde. (genauso Johanniskrauttabletten: Depressionen haben unterschiedliche Auslöser und Ursachen. Und danach richtet sich eben auch die Therapie. )

Das Öl ist ein guter Helfer beim  Abheilen von Wunden, Hautgeschwüren, Nervenschmerzen, zur Massage der Nagelhaut,  kalter Füße uvm. (Und auch wenn es immer wieder zur Behandlung von Verbrennungen empfohlen wird,  würde ich dafür in der ersten Zeit alkoholfreie Hydrolate vorziehen). Gereizte und empfindliche Haut wird davon beruhigt (z.B. bei der asiatischen Gesichtspflege zur ersten Reinigung), wie auch der zarte „Babypo“. Zusammen mit ätherischen Ölen lässt sich ein gutes Dammmassageöl zur Geburtsvorbereitung herstellen. Eine Einschränkung gibt es bei der Anwendung: man sollte die behandelte Haut für mehrere Stunden nicht direkter Sonneneinstrahlung aussetzen.31.6.DSC_0003 Kopie 3

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